Wie kann man sich vor Inflation schützen?

Wie kann man sich vor Inflation schützen?

Bei Betrachtung der aktuellen Finanznachrichten wird der oder andere vermutlich festgestellt haben, dass sich das „Gespenst der Inflation“ wieder in der Wirtschaft umhertreibt[1]https://www.wiwo.de/my/politik/deutschland/geldpolitik-das-gespenst-der-inflation-geht-um-und-keiner-will-es-wahrhaben/27638586.html?ticket=ST-2684864-uijY5W3p0V2KDB0gXsPk-cas01.example.org. Viele Privatanleger fragen sich nun zurecht was man in dieser Situation machen kann um sich und sein Portfolio vor der drohenden Geldentwertung zu schützen.

Was genau Inflation eigentlich bedeutet und wie du dich und dein Portfolio davor schützen kannst, schauen wir uns in diesem Beitrag an.

Was ist eigentlich Inflation?

Die meisten Privatanleger kennen vermutlich den Begriff der Inflation bzw. Geldinflation oder haben zumindest schon einmal etwas davon gehört und wissen „in etwa“ etwas damit anzufangen. Und so mancheiner weiß schon ziemlich genau um was es sich dabei handelt und wie sich die Inflation auf die Wirtschaft und dich als Privatanleger auswirken kann. Für alle anderen, die noch nicht wirklich etwas mit dem Begriff der Inflation anfangen können möchte ich hier zunächst einmal die Grundlagen schaffen.

Bei der Inflation, Inflationsrate oder umgangssprachlich „Teuerungsrate“ handelt es sich um eine volkswirtschaftliche Kennzahl, die üblicherweise in Prozent (%) ausgedrückt wird. Die Inflation drückt aus inwieweit sich der Preis eines vorab definierten „Warenkorbs“ gegenüber dem vorherigen Kaufzeitpunkt verändert hat[2]https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21108/warenkorb. Üblicherweise findet diese Ermittlung monatlich statt. Der Warenkorb beinhaltet dabei knapp 700 Produkte des täglichen Bedarfs und beinhaltet u.A. Nahrungsmittelpreise, Energiepreise, Verkehrsmittelpreise, Medizinpreise, Freizeitaktivitäten sowie Dienstleistungen und sonstige Güter des täglichen Gebrauchs[3]https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20318/verbraucherpreisindex.

Der Warenkorb bildet also ein breites und großes Waren- und Dienstleistungsspektrum ab – eben das, was man als Mensch so üblicherweise konsumiert. Anhand des Preises dieses Warenkorbs kann gemessen werden, wie sich die „Kaufkraft“ verändert hat. Vereinfacht gesagt: Hast du obigen Warenkorb am 1.1.2021 noch für 1.000€ kaufen können und am 1.2.2021 für 1010€, so beträgt die Teuerung bzw. die Inflation salopp gesagt 1%. Damit sinkt entsprechend die Kaufkraft, da du mit 1.000€ nicht mehr den kompletten Warenkorb kaufen kannst. Für noch detaillierte Informationen zur Berechnungsmethode kannst du hier weiterlesen.

Wie entsteht Inflation und wodurch wird sie beeinflusst?

Als Volkswirt vertrete ich die Theorie, dass die Geldmenge bzw. die Geldausgabe einer der Haupteinflussfaktoren der Inflation ist. Natürlich sind aber auch das Konsum- und Ausgabeverhalten der Leute und Unternehmen (Umlaufgeschwindigkeit) sowie das Produktionsverhalten der Industrie ebenfalls zentrale Faktoren. Wir schauen uns hier einmal konkret das Beispiel Geldmenge an.

Stell dir einmal vor die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main würde jedem EU-Bürger von heute auf morgen 1.000.000€ schenken. Das klingt im ersten Moment ziemlich gut oder? Ja, aber nur zunächst. Was anschließend passieren würde, wäre Folgendes: Die Geldmenge in der EU würde dramatisch ansteigen. Konkret: Die EU hat ca. 446 Millionen Einwohner[4]https://europa.eu/european-union/about-eu/figures/living_de#:~:text=In%20der%20EU%20leben%20446,das%20kleinste%20Land%20der%20EU.. Im obigen Szenario würde die Geldmenge also schlagartig um weitere 446 Billionen € ansteigen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt gerade mal ca. 3,4 Billionen € zum Vergleich[5]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1251/umfrage/entwicklung-des-bruttoinlandsprodukts-seit-dem-jahr-1991/.

Leider kann aber das Angebot an Produkten und Waren nicht in gleichem Umfang und in der gleichen Geschwindigkeit sofort mitwachsen bzw. darauf reagieren. Manche sind sogar physisch begrenzt wie z.B. Gold. Und das führt dazu, dass über die Mechanismen von Angebot und Nachfrage die Preise explodieren. So kann es passieren, dass du plötzlich den doppelten, dreifachen oder zehnfachen Preis für deine Waren zahlen musst. Du merkst: Deine 1.000.000€ ist nicht mehr so viel wert wie früher. Es findet eine Geldentwertung statt.

Insofern gilt es hierbei das Geldmengenwachstum in einem gesunden Maßstab zu halten. Als gesunder Maßstab betrachten Ökonomen übrigens eine Inflation von ca. 2%, so auch in der EU um die Preisstabilität zu gewährleisten[6]https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2021/html/ecb.pr210708~dc78cc4b0d.de.html#:~:text=Nach%20Auffassung%20des%20EZB%2DRats,sind%20ebenso%20unerw%C3%BCnscht%20wie%20positive.. Abweichungen davon, ob nach unten oder nach oben, sind daher nicht erstrebenswert.

Übrigens: Das Gegenteil von Inflation ist Deflation. In diesem Szenario gibt es „zu wenig“ Geld und zu viele Produkte. Das ist deutlich schlimmer als Inflation, weil es eine Abwärtsspirale auslöst. Aber die Erläuterung dessen würde hier den Rahmen sprengen.

Wie sieht es im Moment mit der Inflation aus?

In den jüngsten Nachrichten dazu sind immer wieder Meldungen[7]https://www.wiwo.de/my/politik/konjunktur/preise-die-inflation-ist-gekommen-um-zu-bleiben/27751490.html zu lesen, dass die Inflation immer höhere Stände erreicht. Viele von euch werden es aber auch vermutlich an der Tankstelle, im Supermarkt oder sonst irgendwo schon gemerkt haben. Die Preise ziehen teilweise krass an. Tatsächlich ist die Inflation innerhalb der EU in den vergangenen Monaten stetig angestiegen. Für den Monat September 2021 lag sie EU-weit bei ca. 3,4%[8]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/72328/umfrage/entwicklung-der-jaehrlichen-inflationsrate-in-der-eurozone/.

Hierbei drängt sich die Frage auf: Was kann ich als Privatanleger tun um mich vor der Inflation zu schützen?

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Wie vor der Inflation schützen?

Eines vorab: Das „Schlimmste“ was du jetzt machen kannst wäre es dein Geld einfach auf deinem Tagesgeldkonto oder auf deinem Girokonto liegen zu lassen. Dadurch setzt du es nämlich schutzlos der Kaufkraftentwertung und der steigenden Inflation aus. Stattdessen hilft es an dieser Stelle das Geld vernünftig und sicher anzulegen.

Hier sind ein paar einfache Tipps wie du dich effektiv vor der Inflation und der Gefahr drohender Geldentwertung schützen kannst.

Investiere in Aktien / ETFs

Eine sehr gute Möglichkeit sich gegen die Inflation aufzustellen ist es mit der richtigen Anlagestrategie in Aktien bzw. insbesondere in Aktien-ETFs zu investieren. Dadurch, dass die Geldmenge steigt ist zu erwarten, dass die Werte der Unternehmen an der Börse im Durchschnitt ebenfalls steigen werden. Denn auch sie und ihre Vermögenswerte sind weitestgehend physisch begrenzt. Insofern kannst du so auf der „Welle mitreiten“. Hierbei stellen ETFs eine besonders einfache und sichere Anlagemöglichkeit dar um dabei mitzumachen. Durch die breite Diversifikation bist du außerdem gegen etwaige Markteinbrüche besser gewappnet als wenn du auf Einzelaktien setzt.

Investiere in Immobilien oder Immobilien-ETFs

Eine weitere Möglichkeit sich gegen die Inflation zu schützen ist es in Immobilien bzw. in Immobilien-ETFs zu investieren. Bedenke einfach Folgendes: Bei einer steigenden Inflation erhöht sich wie wir wissen die Geldmenge. Das heißt es gibt immer mehr Geld, welches aber nach und nach seine Kaufkraft verliert. Es gibt theoretisch keine physische Begrenzung der Geldmenge. Inbesondere wenn man sie elektronisch erfasst.

Ganz anders sieht es bei Immoblilien aus. Es gibt nur eine begrenzte Baufläche, Baumaterialien und damit auch Immobilien. Eine Immobilie wird dadurch bei steigender Inflation von alleine „mehr wert“, weil sie nicht einfach elektronisch vermehrt werden kann. Zum Einen ist die Anzahl von Immobilien physisch begrenzt, zum Anderen dauert es eine gewisse Vorlaufzeit bis neue Immobilien gebaut werden können um auf die Nachfrage zu reagieren. Insofern eignen sich Immobilien als „Betongold“.

Du kannst auch über ETFs in Immobilien investieren, wenn du nicht gleich ein ganzes Haus oder eine Wohnung kaufen kannst oder möchtest. Diese sogenannten REITs (Real Estate Investment Trusts) beinhalten Aktien von Immobilienunternehmen. Und diese haben wiederum viele physisch-vorhandene Immobilien im Portfolio (z.B. Vonovia). Mit einem Immobilien-ETF kannst du als indirekt daran partizipieren.

Investiere in Gold

Der Klassiker. Gold gilt bei vielen Anlegern als „sicherer Hafen“. Das liegt insbesondere daran, dass Gold sehr selten, physisch begrenzt und obendrein auch noch nützlich ist (z.B. in der Technologiefertigung). Neben der Möglichkeit echtes d.h. physisches Gold zu kaufen[9]https://www.degussa-goldhandel.de/, kannst du alternativ auch in sogenannte ETC (Exchange Trade Commodities) oder in Rohstoff-ETFs investieren. Siehe hier für mehr Infos. Damit kannst du ebenfalls direkt an der Goldpreisentwicklung partizipieren und dich so vor der Inflation schützen.

Investiere in Kryptowährungen

Ich weiß – ein heikles Pflaster. Und wirklich nur den erfahrenen Privatanlegern oder denjenigen mit großem Risikoappetit zu empfehlen. Daher hier nur ein kleiner Schwenker in die Welt der Kryptowährungen. Manche Kryptowährungen wie die Ursprungswährung Bitcoin (BTC), Bitcoin Cash (BCH) oder aber auch Litecoin (LTC) sind mathematisch auf eine maximale Stückzahl begrenzt. Im Falle von Bitcoin zum Beispiel auf 21 Millionen stück[10]https://de.wikipedia.org/wiki/Bitcoin. Nach demselben Mechanismus wie beim Gold oder bei Immobilien ist zu erwarten, dass die physische bzw. hierbei mathematische Begrenzung dafür sorgt, dass die jeweiligen Preise mit steigender Inflation ebenfalls mitsteigen. Aber wie gesagt: Nur etwas für erfahrene Anleger.

Fazit

Egal wie du dich auch entscheidest – du solltest etwas tun und dein hart verdientes Geld nicht einfach der Inflation zum Opfer fallen lassen. In diesem Artikel habe ich dir ein paar Möglichkeiten gezeigt, wie du dich vor der Inflation schützen kannst. Nun liegt es an dir aktiv zu werden. Solltest du noch gar keine Erfahrung mit dem Investieren und dem Finanzmarkt haben – keine Sorge. Klicke hier um dich finanztechnisch weiter zu bilden. Eröffne ein Depot bei einem Broker deiner Wahl und fange an dein Portfolio aufzubauen.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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