Wie kann ich ohne Risiko investieren?

Wie kann ich ohne Risiko investieren?

Wenn ich mit Bekannten, Freunden oder Arbeitskollegen über das Thema „Investieren“ spreche fällt mir immer wieder auf, dass eine gewisse Skepsis gegenüber den Börsen und den Finanzmärkten besteht. Je unerfahrener in Sachen Finanzen, desto größer ist auch die Skepsis in der Regel. Und oftmals ist es eher ein diffuses Gefühl von Unbehagen zusammen mit einem „schlechten Bauchgefühl“, dass man mit der Investition verbindet. In den Beiträgen „Kann ich mein ganzes Geld an der Börse verlieren?“ in Verbindung mit „Was ist eine langfristige Buy & Hold Strategie?“ habe ich gezeigt, dass dieses Unbehagen in der Realität unbegründet oftmals ist. Mit der richtigen Anlagestrategie und den richtigen Finanzprodukten ist die Investition sehr sicher. Dennoch wäre es manch einem Zeitgenossen am liebsten, wenn man das Risiko ganz vermeidet. Insofern schauen wir uns in dem vorliegenden Beitrag an ob es denn überhaupt möglich ist ohne Risiko zu investieren.

Welche Risiken birgt der Finanzmarkt für mich?

Es gibt viele verschiedene Risikoarten, die mehr oder weniger stark im Rahmen einer Investition für einen Privatanleger bestehen. Einer der wesentlichen (wenn nicht sogar DER Wesentliche) Vertreter ist das sogenannte „Marktpreisrisiko“. Oder vereinfacht gesagt: Das Risiko, dass der Wert deiner Finanzprodukte (z.B. ETFs oder Aktien) am Markt an Wert verliert. Die Gründe für Kursbewegungen sind nahezu unendlich, insofern ist es oftmals unmöglich den genauen Grund dafür zu identifizieren. Als Anleger sollte man sich daher wohl oder übel mit dem Gedanken „anfreunden“, dass man Kursbewegungen nicht kontrollieren, vorhersagen oder vermeiden kann. Die richtige Vorgehensweise wäre es daher das potenzielle „Risiko“ zu akzeptieren, anzunehmen und das für sich richtige Maß zwischen Rendite und Sicherheit zu finden.

Insbesondere unerfahrene und vorsichtige Privatanleger, die gerade erst den Schritt in die Welt der Finanzen gewagt haben oder kurz davor stehen und Bedenken haben würden am liebsten jedes noch so kleine Risiko vermeiden. „Damit das hart verdiente Geld nicht durch den Schornstein geht“. Denn für viele Privatanleger ist die Geldanlage am Finanzmarkt noch immer gefühlt mit einem Spiel im Casino gleichzusetzen. Oder?

Nein.

Kann ich risikofrei, risikolos bzw. ohne Risiko investieren?

Die folgende Antwort könnte einen Teil der Leser vielleicht verunsichern, aber die kurze Antwort ist: Nein. Merke dir bitte die folgenden Sätze und knalle sie auch gerne jedem neunmalklugen Finanzberater um die Ohren, wenn er dir den „absolut sicheren Finanztipp“ andrehen möchte: Es gibt keine risikolose Investition. Es gibt kein risikoloses Finanzprodukt. Ich würde sogar so weit gehen, dass generell nichts im Leben risikolos ist. Es ist daher umso wichtiger das Risiko in das richtige Verhältnis zu setzen. Die relevante Frage sollte eher sein: Wie hoch ist das mögliche Risiko?

In der Welt der Finanzen gibt es ein allgemein gültiges, ich nenne es mal „finanz-physikalisches“ Grundgesetz, wonach Rendite und Risiko immer im Verhältnis zu einander stehen. Es gilt:

Je höher die mögliche Rendite, desto höher das mögliche Risiko.

  • Hohe Rendite, Hohes Risiko: Nimm einmal das Beispiel des klassischen „Lottospiels“ oder auch anderer Glücksspiele. Der potenzielle Gewinn (die Rendite) kann astronomisch hoch sein. Die Wahrscheinlichkeit deinen Einsatz zu verlieren ist aber auch sehr hoch (das Risiko), weil die Chance den Gewinn zu bekommen sehr klein ist[1]https://lotto.web.de/ratgeber/lotto-gewinnwahrscheinlichkeit/. Ein Beispiel für potenziell ebenfalls sehr risikobehaftete Finanzprodukte sind Derivate.

Sind Staatsanleihen also risikolos?

Staatsanleihen (zu deutsch: Bundesanleihen[3]https://www.deutsche-finanzagentur.de/en/private-anleger/bundeswertpapiere/bundesanleihen/) von zum Beispiel Deutschland, USA oder anderer hochentwickelter Industriestaaten gelten im Allgemeinen als extrem sicher. Manche ökonomische Theorien[4]https://de.wikipedia.org/wiki/Portfoliotheorie behandeln derartige Staatsanleihen zumeist sogar als ganz „risikolos“. Das lässt sich auch wunderbar anhand der sogenannten „Ratings“ ableiten, welche ihnen von den bekannten Ratingagenturen wie zum Beispiel Standard & Poor’s, Moody’s oder Fitch verliehen werden. Deutschland hat zum Beispiel ein AAA-Rating (gesprochen Triple A)[5]https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ratings102.html. Für Investoren gilt das im Allgemeinen als risikolos. Doch hinter dem AAA verbergen sich nicht nur drei Buchstaben, sondern eine Ausfallwahrscheinlichkeit. Ein AAA bedeutet im Grunde, dass das Ausfallrisiko nahezu bei Null ist[6]https://www.spglobal.com/ratings/en/research/articles/210412-default-transition-and-recovery-2020-annual-sovereign-default-and-rating-transition-study-11888070. Doch sind derartige Staatsanleihen wirklich risikolos?

Nein. Die Wahrheit ist, dass das Risiko einfach verschwindend gering ist und daher zur Vereinfachung als risikolos bezeichnet wird. Es ist in etwa so wie bei alkoholfreiem Bier, wo die Bezeichnung „alkoholfrei“ lediglich aussagt, dass der Alkoholgehalt unterhalb einer definierten Obergrenze liegt[7]https://www.test.de/Alkoholfreies-Bier-Erfrischung-ja-Schwips-nein-4582953-0/.

Du siehst also, dass selbst scheinbar „risikolose“ Staatsanleihen doch ein minimales Risiko haben. Insofern bekräftige ich nochmal obigen Satz: Es gibt keine risikolose Investition.

Ich parke mein Geld lieber bei der Bank

Du denkst dein Geld ist sicher auf deinem Tagesgeldkonto? Auch dieser Satz wird den ein oder anderen Leser vielleicht verunsichern: Aber dein Geld ist auch dort nicht hundertprozentig sicher. Neben der Inflation, die dein Geld nach und nach entwertet hast du selbst mit deinem Tagesgeldkonto bei deiner Bank Risiken: Die Bank hat nämlich genauso ein Ausfallrisiko wie zum Beispiel ein Staat. Und dieses liegt relativ betrachtet sogar noch deutlich höher[8]https://www.faz.net/aktuell/finanzen/ratingriese-s-p-watscht-deutsche-banken-ab-17407415.html.

Du könntest jetzt vielleicht argumentieren, dass es den Einlagensicherungsfonds[9]https://einlagensicherungsfonds.de/ und sogar die freiwillige Sicherung[10]https://einlagensicherung.de/einlagensicherung/freiwillige-sicherung/ gibt, wodurch dein Vermögen bis mindestens 100.000€ pro Bank abgesichert ist. Aber a) gibt es tatsächlich Menschen, die auch diese Grenze überschreiten. Und b) willst du es wirklich darauf ankommen lassen wenn es „hart auf hart“ kommt? Ich persönlich würde ungerne die Situation erleben, in dem die Einlagensicherungssysteme ihre Robustheit tatsächlich unter Beweis stellen müssen. Dass selbst große Banken untergehen können hat uns die Vergangenheit leider sehr eindrücklich bewiesen[11]https://www.deutschlandfunk.de/beginn-der-finanzkrise-vor-zehn-jahren-eine-bankenpleite.724.de.html?dram:article_id=428212.

Dann bewahre ich mein Geld „unterm Kopfkissen“ auf

Falls du nun sowohl von Staatsanleihen, als auch von Tagesgeldkonten und Banken abgeschreckt bist überlegst du vielleicht dein Geld dann doch lieber unterm Kopfkissen oder im Safe aufzubewahren? Ich denke je nach Geldsumme wäre das unter Umständen ein sehr sehr großes Kopfkissen oder ein sehr großer Safe. Aber wichtiger ist, dass auch diese Alternativen nicht risikolos sind. Dort ist dein Geld zwar keinen klassischen Ausfallrisiken ausgesetzt. Aber der Inflation ist es noch schutzloser ausgeliefert, da es dort so gar keine Rendite erwirtschaftet. Außerdem: Was ist mit Diebstahl? Gebäudebrand? Überflutungen? All das sind dann eben andere „Risikoarten“, die dein Geld bedrohen. Insofern ist selbst die vermeintlich sichere Kopfkissenstrategie risikobehaftet. Und daher auch mein Satz vom Anfang, dass nichts im Leben risikolos ist.

Fazit – Was ist also der Ausweg?

Wie zu Beginn bereits gesagt sollte man versuchen zu akzeptieren, dass Risiken existieren und nicht wirklich kontrolliert werden können. Es geht im nächsten Schritt anschließend darum das richtige Verhältnis von Rendite und Risiko für sich selbst und die persönlichen Sparziele zu finden. Denn das beste Mittel gegen Risiken ist es eine sinnvolle Anlagestrategie zu haben, sich breit zu diversifizieren und Durchhaltevermögen zu beweisen. Natürlich sollte man auch die richtigen Finanzprodukte auswählen: ETFs eignen sich aufgrund ihrer Struktur besonders gut dafür.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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