Was sollte man bei der ETF-Auswahl beachten?

Was sollte man bei der ETF-Auswahl beachten?

Nachdem wir bereits etwas über die verschiedenen möglichen Anlagestrategien gelernt haben, geht es in diesem Beitrag darum welche Kriterien man bei der ETF-Auswahl beachten sollte. Die große Anzahl an Möglichkeiten kann einen Privatanleger schnell überfordern und oftmals zu „Kurzschlussreaktionen“ verlocken. Es lohnt sich insbesondere zu Beginn dazu Gedanken zu machen, um den „Zug auf die richtige Schiene“ zu setzen. In diesem Beitrag schauen wir uns die wichtigsten Eigenschaften an.

Wo fange ich bei der ETF-Auswahl am besten an?

Zunächst sollte man sich bewusst sein, dass es für einen bestimmten Index wie z.B. den klassischen MSCI World Index oder den MSCI All Countries World Index (ACWI) eine Vielzahl von ETFs gibt, die diesen passiv abbilden. Das heißt, es gibt nicht „den Einen“ MSCI World ETF. Es gibt mehrere bzw. sogar relativ viele. Solche ETFs bilden zwar denselben Index passiv ab. Sie unterscheiden sich aber je nach Fondsgesellschaft in ihrer Struktur und insbesondere in ihren Eigenschaften und Kosten. Ich möchte dir hier erklären, auf welche wesentlichen Eigenschaften es bei der ETF-Auswahl für Privatanleger ankommt.

Angenommen du hast dich nun dazu entschieden in einen ETF zu investieren, der den Klassiker MSCI World Index passiv abbildet. Nach kurzer Recherche wird einem schnell klar, dass es mehrere gibt die in Frage kommen. Eine ETF-Auswahl gefällig?

  • Amundi MSCI World UCITS ETF EUR (C) (ISIN: LU1681043599)
  • HSBC MSCI World UCITS ETF USD (ISIN: IE00B4X9L533)      
  • Invesco MSCI World UCITS ETF (ISIN: IE00B60SX394)
  • Lyxor MSCI World UCITS ETF – Dist (ISIN: FR0010315770)          
  • Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF 1C (ISIN: LU0274208692)
  • iShares Core MSCI World UCITS ETF USD (Acc) (ISIN: IE00B4L5Y983)

Welche Eigenschaften sollte ich bei der ETF-Auswahl beachten?

Zugegeben, man kann relativ schnell von der Anzahl an Möglichkeiten und verschiedenen Produkten überfordert sein. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken. Unter dem Strich gibt es auch hier nur ein paar wichtige Punkte, die man beachten sollte und auf die es im Wesentlichen ankommt.

Was sollte man bei der ETF-Auswahl beachten? – finanzmagie.de

Kosten (Einstiegs- und Haltekosten)

Aus dem Beitrag zu den Kosten eines ETFs sollten dir die Begriffe Total Expense Ratio (TER) und Ausgabeaufschlag bekannt vorkommen. Den Ausgabeaufschlag vernachlässigen wir hier. Dieser lässt sich durch die Wahl eines geeigneten ETF und eines geeigneten Brokers relativ leicht umgehen. Wichtiger ist hier also die TER. Diese stellt die wesentliche Kostenart bei ETFs dar und lässt sich leider nicht umgehen. Bei deiner ETF-Auswahl solltest du also unbedingt ein Augenmerk auf die TER legen. Das sind vereinfacht gesagt die laufenden Haltekosten deines ETF.

Die Haltekosten werden nicht direkt per Lastschrift von deinem Girokonto abgebucht oder dir monatlich in Rechnung gestellt. Sie werden ganz automatisch von der Fondsgesellschaft bzw. von deinem Broker zeitanteilig von deinem ETF-Wert einbehalten und verrechnet. Diese Gebühren stellen eine wesentliche Einnahmequelle für die Fondsgesellschaft dar. Darüber hinaus wird damit die Verwaltung und das Management des ETF finanziert. Die TER kann je nach ETF-Produkt stark schwanken. Die TER liegt bei ETFs normalerweise im Bereich von 0,10% bis 0,60%. Bei aktiv gemanagten Fonds kann diese auch weit über 1% liegen. Das klingt zwar im ersten Moment nicht viel. Aber bei einem großen Portfolio können da schnell sehr große Summen zusammenkommen. Daher ist es wichtig ganz genau auf die TER zu schauen. Sie sollte bei einem MSCI World ETF irgendwo zwischen 0,10% und 0,40% liegen. Folgende Beispiele zeigen dir wie groß die Unterschiede sein können:

  • Deka MSCI World UCITS ETF (ISIN: DE000ETFL508) mit einer TER von 0,31% pro Jahr
  • Lyxor Core MSCI World (DR) UCITS ETF – Acc (ISIN: LU1781541179) mit einer TER von 0,12% pro Jahr

Ausschüttung (Ausschüttend oder Thesaurierend)

In diesem Beitrag ist bereits der Unterschied zwischen einem ausschüttenden und einem thesaurierenden ETF erklärt. Aus meiner Sicht ist die Investition in einen thesaurierenden ETF die sinnvollere Entscheidung wenn du langfristig Vermögen aufbauen willst. Das liegt daran, dass Dividenden oder sonstige Erträge direkt wieder in den ETF reinvestiert werden. Das wiederum ist eine „Investition in sich selbst“ und treibt den Kurs des ETF weiter nach oben. Dadurch hast du einen kleinen Zinseszinseffekt, da dein Portfoliowert größer geworden ist und du Wachstum auf Wachstum (Zinseszins) generierst.

Natürlich ist es auch bei einem ausschüttenden ETF möglich die Erträge direkt zu reinvestieren. Einige Broker bieten diesen Automatismus auch als Service an. In diesem Fall verhält sich der ausschüttende ETF wie ein thesaurierender ETF. Allerdings ist dieser Service noch kein „Standard“ und nicht bei jedem Broker verfügbar. In diesem Fall muss man selbst dafür Sorge tragen, dass die Erträge wieder reinvestiert werden. Das kann jedoch zu höheren Transaktionskosten führen und entsprechend mehr von deiner persönlichen Zeit in Anspruch nehmen.

Replikation (Physisch oder Synthetisch)

Der Beitrag zu physischer oder synthetischer Replikation geht nochmal etwas detaillierter in die Thematik ein. Für diesen Beitrag reicht es vollkommen aus die grundlegenden Möglichkeiten zu kennen. Wenn dir der nachfolgende Teil zu theoretisch ist, dann kommt hier die Abkürzung: In der Regel sollte man physische Replikation bevorzugen.

Falls du wagemutig bist geht es nun mit der tiefergehenden Erklärung weiter. Was bedeutet denn nun physische oder synthetische Replikation und warum ist das wichtig? Vereinfacht gesagt: Bei physischer Replikation werden die für einen ETF zur Nachbildung erforderlichen Aktien tatsächlich auch von der Fondsgesellschaft gekauft und gehalten. Das heißt es handelt sich um reale Wertpapiere, die entsprechend im Depot der Fondsgesellschaft verwahrt werden. Bei der synthetischen Replikation hingegen werden die im ETF nachzubildenden Aktienpositionen z.B. über sogenannte Swaps (z.B. Total Return Swaps) künstlich abgebildet. Swaps gehören zu der liebenswürdigen Gruppe der Derivate und können mitunter ziemlich komplex werden.

Synthetische Replikation über Swaps?

Der für dich wichtige Punkt hierbei ist: Synthetische ETFs unterliegen genauso wie auch physische ETFs dem Marktpreisrisiko. Das heißt dem Risiko der Wertminderung am Aktienmarkt. Zusätzlich dazu unterliegen aber synthetische ETFs auch noch dem sogenannten Gegenpartei-Ausfallrisiko bzw. Kontrahentenrisiko (Counterparty Credit Risk). Das ist das Risiko, dass dein Vertragspartner ausfällt und nicht mehr in der Lage ist seinen „Verpflichtungen“ nachzukommen. Das liegt daran, dass die Fondsgesellschaft zur synthetischen Abbildung ein Swapgeschäft mit einer Bank (einer Counterparty) eingehen muss. Aus dieser Beziehung ergibt sich also das zusätzliche Risiko, dass die Bank ausfällt. Das Risiko ist zugegeben zwar sehr gering, da solche Swapgeschäfte in der Regel mit sehr großen und systemrelevanten Banken abgeschlossen werden. Allerdings ist das Risiko nun einmal da: Die Finanzkrise 2007/2008 hat gezeigt, dass auch sehr große Institute kollabieren können[1]https://nds.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_2007/2008[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Lehman_Brothers#Insolvenz.

Welche Rolle spielt das Investmentsteuergesetz bei der ETF-Auswahl?

Ein weiterer Punkt bei der Replikationsart ist: Vor der Reform des Investmentsteuergesetzes hatten synthetische ETFs einen Steuervorteil, da die Aktien nicht physisch gehalten wurden und somit keine Abgeltungssteuer auf z.B. Dividenden gezahlt werden musste[3]https://www.justetf.com/de/news/etf/etf-und-steuern-das-neue-investmentsteuergesetz-ab-2018.html. Dadurch waren physisch replizierende ETF also steuerlich benachteiligt. Das hat sich natürlich negativ auf die Performance des physischen ETF ausgewirkt. Damit haben vergleichbare synthetische ETF auf denselben Index im Durchschnitt etwas besser performt[4]https://de.extraetf.com/news/etf-news/warum-synthetische-etfs-einen-steuervorteil-bieten-und-deswegen-besser-performen-konnen. Aber vergiss hierbei nicht das finanzphysikalische „Grundgesetz“, dass eine höhere Rendite immer(!) mit einem höheren Risiko einhergeht. Bei den synthetischen ETF unter anderem wegen dem o.g. Gegenpartei-Ausfallrisiko. Nach der genannten Investmentsteuerreform hat sich der Vorteil aber mehr oder weniger „in Luft“ aufgelöst. Mittlerweile werden physische und synthetische ETF ähnlich besteuert und es gibt kaum noch Unterschiede[5]https://www.finanztip.de/blog/etf-investmentsteuergesetz/. Fazit: Aufgrund der vorgenannten Punkte überwiegen aus meiner Sicht die Vorteile eines physisch replizierenden ETF.

Fondsdomizil (Irland oder Nicht-Irland)

Eine oft unterschätzte Eigenschaft von ETFs ist ihr Fondsdomizil. Das ist das Land in dem der ETF aufgesetzt wurde und auch steuerlich geführt wird. Dieser Punkt ist lediglich für physisch-replizierende ETFs relevant. Die Faustregel ist folgende: Wenn du einen physisch replizierenden ETF hast, dann sollte dessen Fondsdomizil in Irland liegen. Du wirst sehen, dass dies bei vielen physischen ETFs auch der Fall ist. Warum?

Das hat (wie so oft) steuerliche Gründe. Irland hat nämlich ein separates Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA von dem auch du profitieren kannst. Ohne allzu tief in die Details zu gehen: Wenn du in einen physischen ETF mit Fondsdomizil in Irland investierst, dann profitierst du nicht nur von der Investmentsteuerreform, sondern gleichzeitig auch von dem o.g. Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und USA. Dieses Abkommen ist älter und existiert trotz Investmentsteuerreform weiterhin parallel. Es ermöglicht dem Anleger weiterhin die sogenannte Quellensteuer auf Dividenden für Aktien aus den USA zurückzubekommen. Dieser Prozess wird in der Regel von den Fondsgesellschaften automatisch durchgeführt und die zurückgezahlte Quellensteuer -ähnlich wie bei Dividenden- direkt wieder in den ETF reinvestiert[6]https://www.justetf.com/de/news/etf/us-quellensteuer-sparen-mit-den-richtigen-etfs.html.

Fazit

In diesem Beitrag haben wir gelernt auf welche wichtigen Eigenschaften es bei der ETF-Auswahl ankommt. Zusammenfassend gesagt, ergibt die Kombination aus einem physisch replizierenden ETF mit Fondsdomizil in Irland, welcher seine Gewinne thesauriert und eine möglichst geringe Total Expense Ratio hat am meisten Sinn für den langfristig orientierten und auf Vorsicht bedachten Anleger. Ich hoffe, dass ich dir damit einen Einblick in das Thema geben konnte und wünsche dir viel Spaß bei der Suche und Auswahl deiner Produkte.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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