Was sind die größten Fehler bei der Investition in ETFs?

Was sind die größten Fehler bei der Investition in ETFs?

In diesem Beitrag schauen wir uns die spannende Frage an was die größten und häufigsten „Fehler“ bei der Investition in ETFs sind. Wobei sich „Fehler“ gleich so schlimm und fatal anhört. Man könnte alternativ auch einfach sagen: Es gibt Dinge, die man bei der Investition in ETFs eher vermeiden sollte. Insbesondere, wenn du noch am Anfang deines privaten Vermögensaufbaus stehst. Gerade dann solltest du die nachfolgend beschriebenen „Fehlermuster“ versuchen zu vermeiden. Aber auch wenn du schon länger „im Geschäft“ bist lohnt es sich weiterzulesen. Vielleicht lernst du auch etwas Neues und kannst dann gegebenenfalls notwendige Änderungen an deinem Portfolio vorzunehmen.

Die Top 5 der größten „Fehler“ bei der ETF-Investition

In meinem persönlichen Bekanntenkreis werde ich öfter um Rat gefragt, ob man denn „richtig“ investiert habe. Und oftmals fallen mir dabei leider immer wieder dieselben „Fehlermuster“ von unerfahrenen Privatanlegern auf. Es sei jedoch vorweg gesagt: Richtig und falsch ist oftmals eine Ansichtssache. Insbesondere wenn es um Anlagestrategien und persönliche Erwartungen geht. Und das ist auch vollkommen OK. Aber es gibt nun mal manche Dinge, die man vielleicht doch nochmal überdenken sollte. Hier findest du meine aktuelle Top 5.

Fehler Nr. 1 – Zu wenige Gedanken über die Anlagestrategie machen

Viele Privatanleger fangen an ihr Portfolio „einfach mal so“ aufzubauen bzw. in ETFs zu investieren ohne sich vorher groß Gedanken über eine klare Anlagestrategie gemacht zu haben. Das äußert sich dann dadurch, dass ihr Portfolio keine klare Linie und Struktur hat. Das resultiert dann oftmals in Redundanzen, Ineffizienzen und zu hohen Kosten. Das folgende Beispiel-Portfolio habe ich so oder in ähnlicher Form schon mehr als ein Mal in meinem Bekanntenkreis gesehen:

  • MSCI World ETF (20%)
  • MSCI Emerging Markets ETF (10%)
  • DAX 30 ETF (20%)
  • NASDAQ 100 ETF (10%)
  • S&P 500 ETF (10%)
  • MSCI All-Countries-World-Index ETF (30%)

Was hierbei auffällt ist, dass es sehr viele Redundanzen gibt. Das heißt, dass ein und dasselbe Unternehmen bzw. dessen Aktie in mehreren dieser ETFs vorkommt. Zum Beispiel ist das Unternehmen Apple in 4 von 6 der oben genannten ETFs enthalten. Das widerspricht dem Gedanken einer effizienten Risikodiversifikation, da diese mehrfach vorkommenden Unternehmensanteile in deinem Portfolio übergewichtet werden. Keine Panik, es geht hierbei nicht um Kalorien und das Körpergewicht. Es heißt lediglich, dass du vielleicht mehr in diese Unternehmen angelegt hast als du eigentlich wolltest.

Eine Unternehmensaktie im Portfolio zu übergewichten ist vollkommen OK, wenn man es denn mit einem Ziel bzw. mit einer Strategie macht. Zum Beispiel als stärkere Gewichtung in Richtung Technologie mit dem NASDAQ 100 oder in Richtung Nachhaltigkeit mit Environment, Social, Governance (ESG) ETFs. Wenn man es aus Unwissen oder aus Versehen macht, dass ist es eher ein Fehler.

Fehler Nr. 2 – Kosten von ETFs, ETF-Sparplänen und Einmalanlagen vernachlässigen

Der nächste Punkt betrifft das Thema Kosten bei der Investition in ETFs oder in sonstigen Vermögensgegenständen. In dem oben verlinkten Artikel erfährst du weitere Details zu diesem Thema. Denn viele unerfahrene Privatanleger machen sich vorab viel zu wenige Gedanken über die anfallenden Kosten. Seien es die Transaktionsgebühren, die Total Expense Ratio (TER) oder aber die Kosten des ETF-Sparplans. Sie verbringen zu wenig Zeit damit sich über die verschiedenen Broker und deren Kostenstrukturen zu informieren. Und über deren Angebote und Sonderkonditionen. Denn Kosten haben einen wesentlichen Einfluss auf deine Portfolioentwicklung und deine Rendite.

Ich habe in meinem Bekanntenkreis oft erlebt, dass aufgrund von „Faulheit“, „Unwissen“ oder „Bequemlichkeit“ einfach der nächstbeste Broker ausgesucht wird. Vielleicht weil man da schon seit 20 Jahren sein Girokonto führt und es der „Weg des geringsten Widerstands“ ist. Dadurch nimmt man ggfs. höhere Kosten ist Kauf. Aber es lohnt sich zu vergleichen. Und sich vielleicht auch einmal die Mühe zu machen sein Portfolio mit Hilfe eines Depotübertrags zu einem kosteneffizienteren Broker zu übertragen. In diesem Brokervergleich findest du eine Liste meiner aktuellen Favoriten für ETF-Sparpläne.

Fehler Nr. 3 – Keine Gedanken über die Eigenschaften der ETFs machen

Es gibt ETFs in verschiedensten Formen und Farben. Und damit meine ich ihre wesentlichen Eigenschaften in Bezug darauf ob sie ausschüttend oder thesaurierend sind. Oder ob sie physisch oder synthetisch replizierend sind. Oder wie hoch ihre laufenden Kosten sind. In diesem „Dschungel“ an Auswahlmöglichkeiten kann man sich zugegeben schnell verlieren und überfordert sein. Aber es lohnt sich in Anbetracht eines langfristigen Vermögensaufbaus doch mehr Gedanken dazu zu machen und den Zug von Anfang an auf die richtige Schiene zu setzen.

In dem Artikel zur ETF-Auswahl habe ich einmal die aus meiner Sicht wichtigsten Entscheidungskriterien für ETFs beschrieben. Und insbesondere worauf du achten solltest. Ich empfehle dir den verlinkten Beitrag durchzulesen bevor du dein Portfolio aufbaust. Denn damit kannst du ggfs. Fehler noch rechtzeitig korrigieren oder gar nicht erst begehen.

Fehler Nr. 4 – Die Nerven in Krisensituationen verlieren

In dem Artikel zur langfristigen Buy & Hold Strategie habe ich beschrieben, dass über einen entsprechend langen Zeitraum jede noch so schlimme Finanzkrise überwunden wurde. Auch die Corona-Pandemie scheint zumindest „finanzmarkt-technisch“ wieder überwunden zu sein[1]https://www.iwd.de/artikel/corona-pandemie-beeindruckt-die-boersen-kaum-501035/. Doch diesen Punkt der Überwindung kann man nur dann erreichen, wenn man nicht vorher schon die Nerven verliert. Und damit meine ich aus Panik sein Portfolio aufzulösen und die (ETF-)Positionen zu verkaufen wenn die Finanzmärkte fallen.

Die Nerven bewahren kann manchmal schwer fallen. Insbesondere wenn man auf das Geld angewiesen ist. Oder wenn man die Marktschwankungen psychisch nicht gut verkraften kann. Es hilft immens die Ruhe zu bewahren und nicht täglich ins Depot zu schauen. Und natürlich nur so viel Geld zu investieren wie du dir tatsächlich leisten kannst. Du darfst auf keinen Fall deine finanzielle Existenz aufs Spiel setzen. Auch wenn ETFs vergleichsweise extrem sicher sind, solltest du immer einen „Notgroschen“ haben. Damit bist du in Krisensituationen auch nicht gezwungen zu verkaufen. Stattdessen kannst du Krisensituationen sogar dazu nutzen um wieder günstig nachzukaufen.

Fehler Nr. 5 – Aktiv investieren und Stock-picking mit häufigen Transaktionen und Positionswechseln

Finanzmärkte sind oftmals unberechenbar. Sie folgen statistisch betrachtet sogar einem Wiener Prozess[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Wienerprozess bzw. einer brownschen Bewegung [3]https://de.wikipedia.org/wiki/Brownsche_Bewegung. Insofern ist es schwer bis unmöglich ihre konkrete Entwicklung genau vorherzusagen. Viele große Banken, Hedgefonds oder sonstige Finanzdienstleister investieren gigantische Ressourcen darin um zumindest einen Schritt voraus zu sein. Als Beispiel sei hier nur einmal das Algotrading oder Hochfrequenzhandel genannt[4]https://www.algo-camp.de/unterschiede-zwischen-algorithmic-trading-und-high-frequency-trading/. Umso mehr empfehle ich insbesondere (unerfahrenen) Privatanlegern weniger aktives, sondern stattdessen mehr passives Management zu betreiben. Das geht am einfachsten über eine Investition in ETFs bzw. über einen ETF-Sparplan.

Des Weiteren sollte man es reduzieren bzw. vermeiden in Einzeltitel zu investieren bzw. „Stock-picking“ zu betreiben. Ich lehne die Investition in Einzeltitel nicht pauschal ab. Im Gegenteil, es gibt viele sehr sinnvolle Investitionen. Insbesondere wenn es in die persönliche Anlagestrategie passt. Allerdings sollte man gerade als Privatanleger zumindest etwas Erfahrung im Finanzmarkt sammeln bevor man in Einzeltitel investiert. Denn auch diese Form des aktiven Managements kann massiv in die Hose gehen[5]https://de.wikipedia.org/wiki/Wirecard[6]https://www.cnbc.com/2020/09/18/stock-picking-has-a-terrible-track-record-and-its-getting-worse.html.

Wenn man sich doch dazu entschieden hat aktiv in Einzeltitel zu investieren. Dann merke dir bitte folgende Börsenweisheit: „Hin und Her, macht Tasche leer“. Ähnlich wie bei ETFs solltest auch bei Einzeltiteln versuchen längerfristig zu denken und dich nicht bei jeder Marktdelle von deinem Kurs abbringen lassen. Und gerade bei häufigen Transaktionen spielen die entsprechenden Transaktionsgebühren wie oben beschrieben noch eine gewichtigere Rolle.

Fazit

In diesem Beitrag haben wir uns die aus meiner Sicht größten „Fehler“ bei der Investition in ETFs angeschaut. Und uns natürlich auch mal „über den Tellerrand“ in verwandte Themen vorgewagt. Ich hoffe, dass ich dir hiermit den ein oder anderen Tipp geben konnte wie du diese häufigen Fehlermuster frühzeitig korrigieren oder sogar ganz vermeiden kannst. In diesem Sinne, viel Erfolg beim persönlichen Portfolioaufbau.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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