Was ist eine NV-Bescheinigung und wie nutzt man sie?

Was ist eine NV-Bescheinigung und wie nutzt man sie?

In dem Beitrag zur Frage „Wie lange kann ich von meinen Ersparnissen leben?“ habe ich bereits die sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung oder kurz NV-Bescheinigung kurz angesprochen. In diesem Beitrag schauen wir uns zusammen an um was es sich dabei im Konkreten handelt. Und vor allem wie du die NV-Bescheinigung im Rahmen deiner finanziellen Unabhängigkeit für dich nutzen kannst um damit Steuern zu sparen.

Was ist eine NV-Bescheinigung?

Was ist eine NV-Bescheinigung und wie nutzt man sie? – finanzmagie.de

Die NV-Bescheinigung ist ein Dokument, welches den zuständigen Behörden, Arbeitgebern oder eben deiner depotführenden Bank bescheinigt, dass dein Einkommen inkl. etwaiger Kapitalerträge den sogenannten Grundfreibetrag nicht überschreitet. Die NV-Bescheinigung befreit dich dann bis zur Höhe des aktuellen Grundfreibetrags von etwaigen Einkommenssteuern oder Abgeltungssteuern auf Kapitalerträge[1]https://www.steuertipps.de/lexikon/n/nichtveranlagungsbescheinigung.

Der Grundfreibetrag ist eine definierte Geldsumme bzw. Grenze, die in Deutschland dafür sorgt, dass das Existenzminimum abgesichert ist Der Grundfreibetrag wird aufgrund sich ständig ändernder Lebenshaltungskosten jährlich angepasst. Im Jahr 2021 beträgt der Grundfreibetrag 9.744€. Im kommenden Jahr 2022 steigt der Grundfreibetrag auf 9.984€[2]https://www.steuertipps.de/lexikon/g/grundfreibetrag.

Was sind die Vorraussetzungen für eine NV-Bescheinigung?

Um eine NV-Bescheinigung zu beantragen dürfen deine Einkünfte inklusive etwaiger Kapitalerträge den Grundfreibetrag für das laufende Jahr nicht übersteigen. Zu den relevanten Einkunftsarten zählen Einkünfte aus:[3]https://www.formulare-bfinv.de/ffw/form/display.do?%24context=B4ABC3B22FED8C10267F:

  • Land- und Forstwirtschaft
  • Gewerbebetrieb
  • Selbständiger Arbeit
  • Nichtselbständiger Arbeit
  • Kapitalvermögen
  • Vermietung und Verpachtung
  • Sonstige Einkünfte (z.B. Rentenbeträge)

Wie beantrage ich eine NV-Bescheinigung?

Die NV-Bescheinigung kannst du – sofern die notwendigen Vorraussetzungen vorliegen – bei deinem zuständigen Finanzamt über einen sogenannten „Antrag auf Nichtveranlagungs-Bescheinigung für natürliche Personen“ beantragen.

Was bringt mir eine NV-Bescheinigung?

Normalerweise hat man als Privatanleger lediglich den Sparer-Pauschbetrag iHv. 801€ als Freibetrag für etwaige Kapitalerträge (oder eben 1.602€ für verheiratete Menschen) zur Verfügung. Alle Kapitalerträge, die darüber hinausgehen müssen versteuert werden. Und das nicht zu knapp: 25% Abgeltungssteuer + ggf. Solidaritätszuschlag + ggf. Kirchensteuer[4]https://taxfix.de/steuertipps/abgeltungssteuer-kapitalertragsteuer/.

Für einen Privatanleger kann die NV-Bescheinigung darüber hinaus noch eine sehr wertvolle Hilfe sein. Insbesondere, wenn man den Traum von der finanziellen Unabhängigkeit verfolgt und irgendwann nur noch von seinen Ersparnissen bzw. vom eigenen ETF-Portfolio und den damit einhergehenden Kapitalerträgen leben möchte. Oder aber auch für Rentner, deren Einkommen im Alter unter die Grenze des Grundfreibetrags fällt. In beiden Fällen können mit Hilfe der NV-Bescheinigung auch über den Sparer-Pauschbetrag hinaus Abgeltungssteuern auf Kapitalerträge gespart werden. Und zwar beispielhaft für einen „Single“ in folgender Höhe:

  • Grundfreibetrag (2021): 9.744€
  • Sparer-Pauschbetrag: 801€
  • Sonderausgaben-Pauschbetrag[5]https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/was-sind-sonderausgaben.html: 36€
  • Gesamt: 10.581€

Bitte beachte: Alle Kapitalerträge bis zum o.g. „Gesamtfreibetrag“ können dann steuerfrei ausgezahlt werden. Darüber hinaus ist es dann regulär zu versteuern. Und bitte lies genau: Die Rede ist von KapitalERTRÄGEN. Das heißt nur die tatsächliche Wertsteigerung der Positionen in deinem (ETF-)Portfolio muss unter dem Gesamtfreibetrag sein um steuerlich maximal zu profitieren. Weiter solltest du beachten, dass die Sonderausgaben-Pauschale erst rückwirkend im Rahmen deiner Steuererklärung greift und nicht automatisch von deiner Depotbank berücksichtigt wird.

Wie kann ich den Grundfreibetrag für meine Kapitalerträge ausnutzen?

Nehmen wir einmal an du bist ein Privatanleger und befindest dich am „Ende deiner Sparreise“, die du mit Hilfe des Portfolio-Sparrechners geplant hast. Dein Ziel ist es nun von deinem angesparten Vermögen bzw. deinem ETF-Portfolio und dessen Kapitalerträgen möglichst lange zu leben. Wir nehmen der Einfachheit halber auch an, dass du keiner weiteren Beschäftigung nachgehst und neben den Kapitalerträgen aus deinem (ETF-)Portfolio keine weiteren Einkünfte hast. Weiter nehmen wir an, dass du für deine Lebenshaltungskosten in der sogenannten „Entnahmezeit“ (siehe Portfolio-Entnahmerechner oder hier) einen Kapitalbedarf iHv. 24.000€ netto jährlich ermittelt hast.

Um den oben beschriebenen „Gesamtfreibetrag“ optimal zu nutzen musst du nun aufpassen. Du solltest idealerweise so viel aus deinem ETF-Portfolio verkaufen, dass die gesamte Verkaufsposition dir deinen gewünschten Kapitalbedarf iHv. 24.000€ einbringt. Diese Geldsumme sollte idealerweise so aufgeteilt sein, dass genau 10.581€ dein Kapitalertrag und der Rest iHv. 13.419€ der ursprüngliche „Einstandswert“ ist. Denn jeglicher Kapitalertrag darüber hinaus (abzüglich der Sonderausgaben-Pauschale) wird von deiner Depotbank versteuert.

Wie finde ich das optimale Verhältnis zwischen Kapitalertrag und Positionswert?

Natürlich ist es nicht ganz unkompliziert und vielleicht sogar nahezu unmöglich für einen Privatanleger exakt die optimale Verkaufsposition zu ermitteln, die den Gesamtfreibetrag „perfekt“ ausschöpft. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Positionen in deinem ETF-Portfolio zu unterschiedlichen Zeitpunkten gekauft und daher unterschiedliche Einstandskurse und damit einhergehend auch unterschiedliche Kapitalerträge haben. Darüber hinaus hängt es auch von den technischen Möglichkeiten ab, die dir dein Broker in Sachen Depotüberblick sowie Ertrags- und Steuerprognose bietet.

Was du aber dennoch machen kannst ist Folgendes: Du solltest wissen, dass bei (Depot-)Banken das „First-In, First-Out“-Prinzip gilt. Das heißt bei Verkäufen von Positionen aus deinem Portfolio werden die zuerst-gekauften bzw. ältesten Positionen auch zuerst wieder verkauft[6]https://bankenverband.de/newsroom/presse-infos/bei-aktienverkaufen-gilt-first-first-out/. Mit diesem Wissen und den Einstandskursen anhand der Wertpapierabrechnungen vergangener Investitionen kannst du deinen möglichen Kapitalertrag ziemlich genau abschätzen. Dadurch kannst du deine optimale Verkaufsposition ermitteln. Es ist halt nur etwas aufwändiger.

Eine einfachere Lösung und aus meiner Sicht legitime Vereinfachung wäre es die Verkäufe schrittweise vorzunehmen. Bis du deinen gewünschten Kapitalbedarf erreichst. Zum Beispiel monatlich und dich mit Hilfe der Ertragsaufstellungen deines Brokers so dem Gesamtfreibetrag schrittweise näherst. Damit hast du mehr Sicherheit und Kontrolle über deine potenziellen Kapitalerträge.

Fazit

In diesem Beitrag haben wir gesehen unter welchen Umständen und Vorraussetzungen dir eine NV-Bescheinigung helfen kann deinem Traum von der finanziellen Unabhängigkeit näher zu kommen. Die Reise dahin kann sehr lang sein wie wir alle wissen. Doch wie sagt man? Jede noch so lange Reise beginnt immer mit einem ersten Schritt.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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