Was ist ein Freistellungsauftrag?

Was ist ein Freistellungsauftrag?

In diesem Beitrag geht es um die Frage was ein sogenannter „Freistellungsauftrag“ ist. Oder kurz FSA. Der vorliegende Beitrag befindet sich im Bereich für Fortgeschrittene. Ich gehe daher davon aus, dass du dir bereits ein paar Gedanken zur privaten Geldanlage gemacht hast. Vielleicht hast du sogar schon in ETFs oder Aktien investiert und interessierst dich nun mehr für die steuerlichen Aspekte deiner Investition.

Kapitalerträge müssen versteuert werden

Grundsätzlich müssen Kapitalerträge in Deutschland und natürlich auch in den meisten Ländern weltweit versteuert werden. Hier bei uns nennt sich das Abgeltungssteuer. Kapitalerträge sind z.B. Dividenden oder auch erzielte Gewinne, die du bei einem Verkauf deines ETFs oder deiner Aktien erzielst. In Deutschland beträgt der Steuersatz 25% + Kirchensteuer von 8%-9% je nach Bundesland + ein Solidaritätszuschlag von 5,5%. Allerdings entfällt letzteres seit dem Jahr 2021 für 90% der Einkommensteuerzahler[1]https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Schlaglichter/Solidaritaetszuschlag/Solidaritaetszuschlag.html. Die folgende Tabelle soll eine bessere Übersicht geben[2]https://de.wikipedia.org/wiki/Kapitalertragsteuer_(Deutschland):

AbgeltungssteuerkomponenteSteuersatz (Gesamt)
Basissteuersatz25%
Basissteuersatz + Solidaritätszuschlag26,375%
Basissteuersatz + Solidaritätszuschlag + Kirchensteuer (8%)27,8166%
Basissteuersatz + Solidaritätszuschlag + Kirchensteuer (9%)27,9951%

Du siehst im „Best Case“ beträgt die Steuerlast 25% und im „Worst Case“ ~28%. Insofern handelt es sich dabei um nicht zu vernachlässigende Abgaben, die auf dich zukommen.

Keine Steuern zahlen bis zum Freibetrag

In Deutschland gibt es jedoch glücklicherweise einen sogenannten Sparerpauschbetrag bzw. Freibetrag auf Kapitalerträge. Viele werden etwas Ähnliches aus ihrem Angestelltenverhältnis kennen. Angestellte kennen den sogenannten Grundfreibetrag, der jährlich festgelegt wird. Bis zur Höhe dieses Grundfreibetrags musst du dein Einkommen nicht versteuerno[3]https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/grundfreibetrag-was-ist-das.html. Für Kapitalerträge gibt es etwas zusätzliches „on top“. Als deutscher Staatsbürger hast du einen jährlichen Freibetrag auf Kapitalerträge von bis zu 801€. Bis zu diesem Betrag musst du keine Abgeltungssteuer abführen. Für gemeinsam veranlagte Personen (z.B. Ehepaare) erhöht sich der Freibetrag sogar auf 1602€[4]https://www.vlh.de/kaufen-investieren/abgeltungssteuer/sparer-pauschbetrag-kapitalertraege-bis-801-euro-sind-steuerfrei.html.

Auf Gewinne bis zum Freibetrag muss also keine Abgeltungssteuer abgeführt werden. Was darüber hinaus geht wird bei deutschen Banken und Brokern ganz automatisch an das Finanzamt abgeführt. Du siehst die genauen Beträge ein mal jährlich in deiner Steuerübersicht von deiner Bank oder deinem Broker.

Steuern vermeiden mit dem Freistellungsauftrag

Zunächst einmal solltest du dir jetzt keine Sorgen machen, denn es handelt sich hierbei um einen absolut legitimen und legalen Weg deine Steuerlast für Kapitalerträge zu reduzieren. Mit einem Freistellungsauftrag teilst du deiner Bank bzw. deinem Broker nämlich mit, dass bis zur (maximalen) Höhe von 801€ beziehungsweise 1602€ keine Abgeltungssteuer abgeführt werden soll. Wenn dein Broker keinen Freistellungsauftrag von dir erhält wird er automatisch Abgeltungssteuer abführen. Auch wenn du noch unter dem Freibetrag bist. Das zu viel gezahlte Geld müsstest du dir dann über deine Steuererklärung zurückholen. Insofern ist es wichtig den Freistellungsauftrag direkt zu erstellen.

Was ist wenn ich mehrere Depots bei verschiedenen Brokern habe?

Kein Problem. Es ist möglich für jedes Depot einen separaten Freistellungsauftrag zu beantragen. Allerdings bist du in der Verpflichtung deinen Gesamtfreibetrag auf deine jeweiligen Depots bzw. Banken aufzuteilen. Das heißt, du kannst nicht für jedes Depot 801€ bzw. 1602€ als Freibetrag beantragen und Steuern sparen. Das wäre ja auch zu schön oder? Stattdessen musst du deinen Freibetrag aufteilen. Zum Beispiel 401€ bei Bank A. Und 400€ bei Bank B. Bis zu dieser Höhe werden die jeweiligen Banken keine Abgeltungssteuer abführen.

Achtung: Wenn du (versehentlich) den vollen Freibetrag bei mehreren Banken oder Brokern beantragst, dann zahlst du zu wenig Steuern. Und du möchtest ja kein Kapitalverbrechen begehen. Insofern solltest du den Freistellungsauftrag mit der nötigen Sorgfalt beantragen.

Fazit – Der Freistellungsauftrag ist unser Freund

In diesem Beitrag haben wir gelernt was ein Freistellungsauftrag ist und wie er dir dabei helfen kann legal Steuern zu sparen. Übrigens: Du musst den Freistellungsauftrag nicht jedes Jahr neu beantragen. Die meisten Banken und Broker „merken“ sich die höhe deines Freistellungsauftrags und führen diesen so lange fort, bis sie eine Änderung von dir erhalten.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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