In Nachhaltigkeit investieren mit ETFs?

In Nachhaltigkeit investieren mit ETFs?

In diesem Beitrag erfährst du wie du mit Hilfe von ETFs in Nachhaltigkeit investieren kannst. Nachhaltiges Investieren und sogenannte „grüne Investments“ sind ein absoluter Megatrend[1]https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/der-wichtigste-megatrend-unserer-zeit/. Und angesichts des drohenden Klimawandels macht es Sinn sich als Privatanleger frühzeitig zu überlegen wie man das eigene Portfolio um den Aspekt nachhaltiger ETFs erweitern kann. Denn abseits aussichtsreicher Renditechancen ergibt sich darüber hinaus auch die Möglichkeit aktiv zu einer nachhaltigen und ökologischen Wirtschaftsentwicklung beizutragen.

Doch auf dem Weg dahin gibt es einige Stolpersteine, die man als Privatanleger vorab kennen und berücksichtigen sollte.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für einen Privatanleger?

Zunächst einmal – da ich kein Klimawissenschaftler bin möchte ich mir nicht „anmaßen“ zu beurteilen was richtige und sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen sind. Dafür ist das Thema viel zu groß, zu kompliziert und zu wichtig um es hier nur oberflächlich zu behandeln. Für dieses Thema gibt es eine Vielzahl an Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, Studien und Empfehlungen, die die Bandbreite der Komplexität besser und genauer abdecken. Ein guter Anhaltspunkt dafür ist der IPCC[2]https://www.ipcc.ch/. Ich beziehe mich in diesem Beitrag daher ausschließlich auf die Perspektive eines Privatanlegers.

Im Rahmen nachhaltiger Investitionen solltest du als Privatanleger die Abkürzung ESG kennen. ESG steht für Environment, Social & Governance (ESG). Oder auf deutsch: Umwelt, Soziales und (Unternehmens-)Führung. Hinter diesem Kürzel verbirgt sich ein ganzes Rahmenwerk zur Identifizierung, Klassifizierung und Bewertung eines nachhaltigen, verantwortungsbewussten und sozialen unternehmerischen Handelns.

Wie hilft mir ESG bei der Investitionsentscheidung?

Zur Beurteilung der vorgenannten Themen wird ein sogenanntes ESG-Rating für ein Unternehmen anhand eines Scoring-Verfahrens ermittelt. In dieses Rating fließen viele Kriterien zur Beurteilung ein ob und wie nachhaltig und verantwortungsbewusst ein Unternehmen handelt und geführt wird. Die Kriterien sind unterteilt nach den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und beinhalten unter anderem folgende Aspekte[3]https://www.kfw.de/nachhaltigkeit/%C3%9Cber-die-KfW/Nachhaltigkeit/Nachhaltige-Unternehmensprozesse/Nachhaltiges-Investment/Nachhaltiger-Investmentansatz-der-KfW/Integration-von-ESG-Kriterien/:

UmweltSozialesUnternehmensführung
KlimastrategieChancengleichheitUnternehmensethik
UmweltmanagementGesundheit und SicherheitCompliance
Öko-Effizienz (CO2, Wasser, Strom)MenschenrechteVergütung
EnergiemanagementSoziale AuswirkungenAktionätsstruktur

Analog zu klassichen Ratings bzw. Ausfallratings der bekannten Ratingagenturen wie S&P, Moody’s und Fitch bekommen also Unternehmen anhand u.A. der oben genannten Kriterien ein ESG-Rating zugewiesen. Institutionelle und private Investoren können sich dann anhand des ESG-Ratings entscheiden ob sie in das Unternehmen investieren möchten oder nicht. Wichtig hierbei ist es den Begriff „Best-In-Class“ zu kennen.

Was bedeutet „Best-in-Class“?

Der „Best-in-Class„-Ansatz lässt sich am ehesten so beschreiben, dass eine Fondsgesellschaft oder ein institutioneller Anleger bei der Auswahl von Aktien oder Unternehmen nach dem Prinzip „Wähle den / die Klassenbesten“ geht. Böse Zungen könnten es auch die Wahl des „Einäugigen unter den Blinden“ nennen. Dazu später mehr. Wie dem auch sei – das Prinzip dahinter ist Folgendes: Unter den zur Verfügung stehenden Aktien wählt man diejenigen Unternehmen aus welche in ihren Peer-Group’s (Vergleichsgruppen) die ESG-Kriterien am Besten erfüllen[4]https://www.bayerninvest.de/nachhaltigkeit/wissen/wie-funktioniert-der-best-in-class-ansatz/index.html.

Ist der „Best-in-Class“-Ansatz perfekt geeignet?

Die Vorgehensweise hat sowohl Vorteile als auch Nachteile (wen überraschts?). Zu den Vorteilen gehört, dass ein Fonds oder ein Anleger dadurch gezielt Unternehmen identifizieren und für sein Portfolio auswählen kann, die sich besonders positiv hinsichtlich der ESG-Keriterien hervortun bzw. in ihrer Vergleichsgruppe herausstechen. Das Vorgehen bietet außerdem die Möglichkeit solche Unternehmen und ihre Art zu Wirtschaften gezielt zu fördern. Durch die Aufnahme in einen Fonds oder in ein Portfolio wird der Aktienkurs des Unternehmens gefördert und die Bekanntheit gesteigert und das Unternehmen in seiner Strategie bestärkt. Der Best-in-Class-Ansatz schafft daher eine gute Möglichkeit Anreize zu setzen und nachhaltiges Wirtschaften zu belohnen.

Die Nachteile sind allerdings auch nicht von der Hand zu weisen. Der Best-in-Class-Ansatz fördert nicht notwendigerweise nur besonders ökologische und nachhaltige Unternehmen. Ein sehr gutes ESG-Rating bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Unternehmen auch besonders nachhaltig wirtschaftet. Das liegt zum Einen daran, dass selbst der „Klassenbeste“ nicht automatisch auch nachhaltig sein muss. Es heißt lediglich, dass er in seiner Peer-Group der Beste ist – daher auch die Aussage mit dem Einäugigen unter den Blinden. So kann ein Unternehmen zum Beispiel in den Bereichen Soziales und Unternehmensführung sehr vorbildlich sein, dafür aber nur durchschnittlich im Bereich Umwelt.

Die Bandbreite an ESG-Kriterien sowie deren Bewertung bietet einen großen Spielraum und viele Möglichkeiten zur subjektiven Auslegung und Gewichtung der einzelnen ESG-Kriterien. Das Verfahren zur Ermittlung und Gewichtung eines ESG-Ratings ist nicht standardisiert und vereinheitlicht.

Der Weg ist das Ziel – Nachhaltigkeit als Transformationsprozess verstehen

Die Welt ist nicht perfekt – das wird jeder von uns wissen. Auch wenn der Best-In-Class-Ansatz nicht perfekt ist, so ist er dennoch ein sehr guter Ansatz um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren und dafür zu belohnen. Es braucht Zeit ein Unternehmen strategisch und operativ umzustellen und neu auszurichten. Und natürlich spielt auch die Nachfrage der Kunden eine wesentliche Rolle bei dem Angebot der Unternehmen. Ein Unternehmen wird wahrscheinlicher Produkte anbieten, die eine höhere Nachfrage haben. Macht auch irgendwie Sinn – ansonsten würde es die Wünsche der Kunden ignorieren und nicht besonders gut wirtschaften oder?

Insofern hat man als Kunde über die Nachfrage einen Hebel um Unternehmen dazu zu bringen nachhaltiger zu werden. Als Einzelkunde mag der Hebel relativ klein sein – aber wenn die Einzeleffekte eine gewisse Dynamik und Größe erreichen, dann entwickeln sie eine Hebelkraft um auch große Unternehmen zum umdenken zu bewegen. Denn die sind im Zweifel profitorientert und richten sich nach der Nachfrage.

Insofern kann es sein, dass man Unternehmen in ESG-konformen Finanzprodukten findet, die man nicht klassicherweise als nachhaltig und ökologisch bezeichnen würde. Aber man sollte berücksichtigen, dass sich viele Unternehmen in einem Übergangs- und Transformationsprozess zu mehr Nachhaltigkeit befinden. Und ich denke als Privatanleger, der auf Nachhaltigkeit setzt sollte man diesen Transformationsprozess und die Bestrebungen hin zu mehr Nachhaltigkeit unterstützen. Und das geht eben auch über eine Investition in ESG-Fonds, in denen sie vertreten sind.

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Wie finde ich ökologische und nachhaltige ETFs?

Im Kontext von ETFs wirst du das Merkmal „ESG“ ähnlich wie die Abkürzungen „Acc“, „EUR“, „UCITS“ als Namensbestandteil bei manchen ETFs oder sonstigen Fonds finden. Das Merkmal deutet darauf hin, dass der ausgewählte ETF bei der Auswahl seiner Unternehmensaktien einen besonderen Augenmerk auf die ESG-Kriterien sowie deren ESG-Ratings legt. Es gibt sehr viele ETFs, die das Merkmal „ESG“ im Namen tragen – ein Blick in die ETF-Datenbank reicht aus und man wird an Angeboten nur so erschlagen. Daher widmen wir uns im Folgenden der Frage wie man die besten nachhaltigen ETFs auswählt.

Wie wähle ich die besten nachhaltigen ETFs aus?

Wie auch bei allen anderen ETFs gilt es auch hier die grundlegenden Kriterien der ETF-Auswahl zu beachten. Soll heißen: Auch hier ist es wichtig auf die Kosten, die Ausschüttungsart sowie die Replikationsmethode zu schauen.

Darüber hinaus ist es insbesondere bei ESG-ETFs auch sinnvoll sich den Invstitionsschwerpunkt und die ETF-Zusammensetzung genauer anzuschauen. Und damit meine ich konkret die Unternehmen, die im ETF enthalten sind. Natürlich gibt es ESG-Kriterien, die bestimmte Branchen wie z.B. Waffenhersteller, Tabakhersteller oder Mineralölunternehmen ausschließen. Dennoch lohnt sich immer ein Blick um zu prüfen ob sich im ESG-ETF Unternehmen findet, die man keinesfalls unterstützen möchte.

Wie finde ich die besten nachhaltigen ETFs?

Das erfordert wie so oft intensive Suche und Recherche. Im Folgenden habe ich eine Übersicht meiner persönlichen TOP ESG-ETFs zusammengestellt. Bei allen ETFs handelt es sich um UCITS-konforme, thesauerierende, physische-replizierende ETFs mit Fondsdomizil in Irland. Des Weiteren handelt es sich ausschließlich um Triple AAA bewertete ETFs.

NameISINTER
(%)
RegionWährungESG-Rating
iShares MSCI World SRI UCITS ETF EUR (Acc)IE00BYX2JD690,20GlobalEURAAA
iShares MSCI Europe SRI UCITS ETF EUR (Acc)IE00B52VJ1960,20EuropaEURAAA
iShares Core MSCI Pacific ex-Japan UCITS ETF USD (Acc)IE00B52MJY500,20Asien-PazifikUSDAAA
iShares MSCI Europe Energy Sector UCITS ETF EUR (Acc)IE00BMW426370,18EuropaEURAAA
iShares European Property Yield UCITS ETF EUR (Acc)IE00BGDQ0L740,40EuropaEURAAA
Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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