Einmalig einen großen Betrag investieren?

Einmalig einen großen Betrag investieren?

In diesem Beitrag schauen wir uns an wie man am besten einmalig einen großen Betrag an der Börse investieren kann. Diese Art der Investition nennt man auch „Einmalanlage“. Die Frage nach der Einmalanlage stellt sich zum Beispiel dann, wenn du dich gerade dazu entschieden hast mit dem Investieren anzufangen und dafür bereits eine große Geldsumme angespart hast. Oder du bist durch eine Bonuszahlung im Beruf, einen „glücklichen“ Gewinn oder ein Erbe an Geld gekommen und überlegst nun wie man dieses am „schlauesten“ anlegen kann. Für diese Einmalanlage gibt es nämlich verschiedene Optionen, die wir uns einmal zusammen anschauen.

Welche Möglichkeiten habe ich einen großen Betrag einmalig zu investieren?

Klären wir zunächst einmal welche typischen Optionen dir für die Einmalanlage eines großen Betrags überhaupt zur Verfügung stehen. Es ist eigentlich relativ simpel: Du kannst entweder a) den Gesamtbetrag auf einmal investieren. Oder du kannst b) den gesamten Betrag „scheibchenweise“ investieren. Doch welche Überlegungen sollten der Entscheidung für die jeweilige Option zu Grunde liegen? Und welche Vor- und Nachteile haben die jeweiligen Optionen?

Einmalig einen großen Betrag investieren? – finanzmagie.de

Option a) Den Gesamtbetrag auf einen Schlag investieren

Für diese Option spricht zunächst einmal die Einfachheit und Bequemlichkeit. Du gehst „einfach“ zu deinem Broker und investierst den gesamten Betrag auf einen Schlag in ein oder mehrere Wertpapiere deiner Wahl. Und damit ist das Thema ist „gegessen“.

Diese Option hat den weiteren Vorteil, dass du insgesamt (je nach Broker) weniger Transaktionkosten zahlst. Insbesondere im Vergleich zu Option b) wo du „scheibchenweise“ investierst. Denn bei vielen Brokern beinhalten die Transaktionskosten Grundpauschalen, die bei jeder Transaktion fix zu entrichten sind. Darauf „on top“ kommen dann üblicherweise noch variable Handelskosten, die abhängig von der Investitionssumme sind. Indem du den Gesamtbetrag vollständig investierst, zahlst du die Grundpauschale nur einmal. Darüber hinaus kann es je nach Broker und Höhe der Investitionssumme auch sein, dass du selbst bei den variablen Kosten sparst.

Denn bei vielen Brokern sind die Transaktionkosten nach oben hin gedeckelt (siehe Brokervergleich für mehr Informationen). Oder noch besser: Bei manchen Brokern wie z.B. flatex oder Smartbroker sind die Transaktionskosten für Einmalanlagen in ETFs sogar ganz pauschalisiert. Dadurch zahlst du unabhängig von der Investitionssumme immer nur eine pauschale Gebühr und sparst entsprechend viele Transaktionskosten. Das macht Option a) dahingehend sehr attaktiv.

Der Nachteil dieser Option ist, dass du für deine Einmalanlage keinen „Cost-Average-Effect“ bzw. „Durchschnittskosteneffekt“[1]https://www.commerzbank.de/portal/de/ratgeber/finanzen/was-ist-der-cost-average-effekt.html hast. Anders formuliert: Indem du den Gesamtbetrag komplett auf einmal investierst, hast du deinen Einstandskurs vollständig auf den aktuellen Kaufkurs deiner Wertpapiere festgelegt. Deine „Fallhöhe“ ist entsprechend auf deinen aktuellen Kaufkurs fixiert. Das ist insbesondere dann schlecht, wenn sich der aktuelle Kaufkurs als zu teuer erweist und die Finanzmärkte sich in einem „Allzeithoch“ befinden und eine Kurskorrektur an den Börsen wahrscheinlicher wird. Dadurch kann es sein, dass du zu zunächst einmal „Verluste“ einfährst, die erst langfristig im Laufe der Zeit wieder aufgeholt werden. In diesem Fall wäre tatsächlich Option b) die „schlauere“ Variante.

Option b) Den Gesamtbetrag scheibchenweise investieren

Diese Option ist insbesondere dann sinnvoll, wenn du „auf Nummer sicher“ gehen und von einem „Cost-Average-Effekt“ profitieren möchtest. Bei dieser Option investierst du deinen Gesamtbetrag nämlich scheibchenweise über einen festgelegten Zeitraum.

Angenommen du hast einen Gesamtbetrag von 12.000€, den du einmalig investieren möchtest. Diesen Gesamtbetrag kannst du dann jeweils mit 1.000€ pro Monat über 12 Monate scheibchenweise anlegen. Durch dieses Vorgehen hast du deinen Einstandskurs bzw. Kaufkurs gemittelt. Denn dein Einstandskurs entspricht dann dem Mittelwert deiner gekauften „Scheibchen“. Durch diesen Durchschnittskosteneffekt reduzierst du das bei Option a) beschriebene Risiko, dass du einen zu teueren Einstandskurs hast. Du kannst es dir bildlich so vorstellen, dass du deine potenzielle „Fallhöhe“ mit jedem Scheibchen stets zu deinen Gunsten nachziehst.

Der Nachteil dieser Option ist, dass sie zum Einen etwas aufwändiger ist und ihre Umsetzung über einen längeren Zeitraum geht. Das kannst du allerdings relativ leicht handhaben, indem du zum Beispiel die Sparrate in deinem ETF-Sparplan in dem relevanten Zeitraum um die Höhe des „Scheibchens“ anpasst, die du investieren möchtest. So erledigt dein ETF-Sparplan das scheibchenweise investieren automatisch bis dein Gesamtbetrag aufgebraucht ist. Aber du darfst natürlich nicht vergessen deinen ETF-Sparplan wieder zurück anzupassen, wenn alles investiert wurde.

Ein weiterer Nachteil dieser Option können zudem die beschriebenen Transaktionskosten sein, die hierbei in einem höheren Umfang anfallen. Denn hier werden für jedes „Scheibchen“ Transaktionskosten fällig. Aber auch diese kannst du üblicherweise mit einem ETF-Sparplan umgehen, da dort für viele klassische ETFs Transaktions- und Sparplankosten überlicherweise entfallen oder sehr niedrig sind.

Welche Option sollte ich nehmen?

Nachdem wir uns nun die beiden Optionen angeschaut haben, stellt sich nun die „Preisfrage“ welche denn zu bevorzugen ist. Die Antwort auf die Frage hängt im Wesentlichen davon ab, ob die aktuellen Kurse an den Finanzmärkten eher niedrig oder eher hoch sind.

Wenn die aktuellen Kurse eher niedrig sind, dann macht Option a) mehr Sinn. Denn dadurch kann man einen günstigen Kaufkurs „mitnehmen“ bzw. ein Schnäppchen machen. Und wenn die Kaufkurse schon günstig sind, dann investiert man idealerweise so viel wie möglich um maximal davon zu profitieren.

Wenn die aktuellen Kurse eher hoch sind, dann macht Option b) mehr Sinn. Denn dadurch kannst du potenziell zu hohe Kaufkurse durch den Cost-Average-Effekt mitteln und dadurch deinen Einstandskurs mit fallenden Kursen entsprechend reduzieren / nachziehen.

Woher weiß ich ob die Kurse eher niedrig oder eher hoch sind?

In dem Artikel „Wann sollte ich anfangen zu investieren?“ hatte ich bereits beschrieben, dass es sowohl für professionelle Anleger und damit auch insbesondere für Privatanleger nahezu unmöglich ist zu wissen wie sich die Finanzmärkte zukünftig entwickeln werden. Insofern ist es auch nur schwer möglich zu wissen ob die aktuellen Kaufkurse eher niedrig oder eher hoch sind.

Natürlich gibt es manchmal (Ausnahme-)Situationen, in denen sich sehr offensichtlich eine Tendenz bei den Kursen ableiten lässt. Das sind zum Beispiel die Zeiten während oder nach Finanzkrisen. Oder zu Beginn der Corona-Pandemie. Insbesondere bei letzterer waren die Finanzmärkte zu Beginn kurzfristig massiv eingebrochen und haben sich dann auch wieder massiv erholt. Das waren rückblickend betrachtet sehr günstige Einstiegskurse.

Abseits von Ausnahmesituationen gibt es natürlich auch „Indikatoren“, aus denen man eine Tendenz ableiten kann. Zum Beispiel wenn man Finanznachrichten verfolgt und immer wieder von neuen „Allzeithochs“ hört[2]https://www.boerse-online.de/nachrichten/ressort/maerkte/dax-ausblick-dax-rekordhunger-scheint-noch-nicht-gestillt-1030682902. Oder man liest sich Meinungen und Bewertungen von Experten und Finanzanalysten durch. Man kann auch technische Chartanalysen (z.B. über Bollinger-Bänder) durchführen, die Fundamentaldaten analysieren und Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) heranziehen.

Es gibt sicherlich sehr sehr viele Möglichkeiten und manche davon sind auch durchaus valide. Doch auch diese werden dir leider nicht DIE unfehlbare Einschätzung geben können. Zumal viele davon für den „durchschnittlichen“ Privatanleger ohnehin nicht realistisch durchführbar sind. Also was soll man nun machen?

Fazit

Kommen wir zum Fazit – Wie kann ich einmalig einen großen Betrag investieren? Insgesamt tendiere ich zu Option a) und damit den Betrag komplett auf einen Schlag zu investieren. Das gilt generell immer. Außer – und das ist die einzige Ausnahme – es ist unmittelbar und offensichtlich eine Finanzkrise oder ein Markteinbruch abzusehen. Im diesem Fall sollte man auf Option b) ausweichen. Und ich sage dir warum: Da wir als Privatanleger nicht wirklich wissen können ob die aktuellen Kurse zu hoch oder zu niedrig sind und wie sich die Finanzmärkte entwickeln werden, müssen wir auf das Vertrauen was wir wissen. Und die historische Marktentwicklung hat gezeigt, dass der langfristige Trend gerade bei ETFs stets positiv ist.

Daraus leitet sich ab, dass langfristig betrachtet der aktuelle Kurs im Durchschnitt auch der Günstigste ist. Deswegen macht es Sinn so früh wie möglich zu investieren und auch gleich den Gesamtbetrag anzulegen um maximal vom positiven Trend zu profitieren. Zudem mehren sich auch finanzökonomische Studien, die Nahe legen, dass sich der „Cost-Average-Effekt“ eher negativ auf die Renditeentwicklung auswirkt[3]http://www.smartretirement.com.au/wp-content/uploads/2015/06/7.23.2012_Dollar-cost_Averaging.pdf. Das gilt insbesondere dann wenn man wie oben beschrieben von einem langfristig positiven Trend ausgeht.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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