Das ganze Geld an der Börse verlieren?

Das ganze Geld an der Börse verlieren?

Diese Frage wird sich wohl jeder (private) Anleger früher oder später einmal gestellt haben. Insbesondere die sehr vorsichtigen Zeitgenossen unter uns. Schließlich genießt die Börse insbesondere bei uns in Deutschland leider aufgrund diverser Finanzkrisen und -skandale noch immer einen eher gefährlichen Ruf[1]https://www.faz.net/aktuell/finanzen/geldanlage-trotz-niedrigzinsen/deutsche-privatanleger-besonders-skeptisch-14084870.html[2]https://www.dasinvestment.com/studie-warum-so-wenige-deutsche-aktien-kaufen/. Teilweise wird die Geldanlage an der Börse mit „Glücksspielen im Casino“ gleichgesetzt und leider ist diese Meinung recht verbreitet. Auch in meinem privaten Umfeld bemerke ich sehr oft dieses generelle Misstrauen gegenüber der Börse und der diffusen Angst durch einen „Crash“ sein mühsam verdientes Geld an der Börse zu verlieren. In diesem Beitrag möchte ich dir zeigen warum diese Ängste oft irrational sind. Wir wagen gemeinsam einen Blick auf echte Daten um das ganze einmal rational zu beurteilen.

Ist die Geldanlage an der Börse wirklich so riskant?

Wie immer gibt es auch hier eine kurze und eine lange Antwort. Die kurze Antwort ist: Nein.

Doch am ehesten trifft es die Aussage „es hängt davon ab…“. Es geht wie so oft im Leben darum das richtige Mittel bzw. das gesunde Maß zu finden. Es geht darum ein adäquates bzw. vertretbares und beherrschbares Risiko einzugehen. Ein „Risiko“ mit dem man sich wohl fühlt und nicht die eigene finanzielle Existenz riskiert. Wir entscheiden uns tagtäglich in unserem Leben bestimmte Risiken ganz bewusst einzugehen ohne ewig lang über die Konsequenzen nachzudenken. Nimm einmal folgende Beispiele: Wenn du morgens das Haus verlässt um z.B. mit deinem Fahrrad oder mit deinem Auto zur Arbeit zu fahren, nimmst du wissentlich oder unwissentlich bestimmte Risiken in Kauf (z.B. Unfallrisiken). Oder wenn du in den Urlaub fliegst (Absturzrisiko) und dich tagsüber im Hotel auf der Liege sonnst (z.B. Sonnenbrand- und Hautkrebsrisiko). Oder sei es, wenn du dich dazu entscheidest den Müll rauszubringen (Unfallrisiko, man könnte ja ausrutschen oder sich den kleinen Finger einklemmen?).

Du merkst, alle diese Dinge – und seien sie noch so simpel – sind mit Risiken verbunden. Doch wir gehen diese im Alltag ein ohne lange darüber nachzudenken. Warum?

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Die Kunst ist es beherrschbare Risiken einzugehen

Du gehst manche Risiken im Alltag unwissentlich bzw. unbewusst ein. Entweder sind dir die Gefahren nicht bekannt oder du schätzst diese als so geringfügig ein, dass sie dir gar nicht erst in den Sinn kommen. Oder du nimmst die Gefahren wissentlich in Kauf, hast jedoch keine größeren Bedenken dabei. Das machst du in dem Selbstbewusstsein, dass du in der Lage bist diese Risiken beherrschen zu können und diese daher als vertretbar ansiehst. Je besser wir uns mit etwas auskennen, desto beherrschbarer nehmen wir es wahr. Schließlich muss man im Leben bestimmte Risiken eingehen um voranzukommen. Und exakt genau so verhält es sich mit der Geldanlage an der Börse. Doch wie gehe ich vertretbare Risiken am Finanzmarkt ein?

Die Wahl der richtigen Strategie ist das A&O

Es hängt im Wesentlichen davon ab mit welcher Anlagestrategie du investiert und damit insbesondere auch welche Finanzprodukte du auswählst. Es gibt natürlich Strategien und damit verbunden auch Produkte, die als hochriskant gelten. Zum Beispiel das Handeln mit Derivaten bzw. Zertifikaten, sofern man nicht viel davon versteht. Diese Produkte gelten als hochspekulativ und damit auch als sehr riskant. Je nachdem welches Produkt man wählt, wäre dies tatsächlich am ehesten noch dem „Casino“ vergleichbar. Doch es gibt Finanzprodukte, die als sehr sicher gelten und selbst für komplette Anfänger ein beherrschbares Risiko darstellen. Neben den klassischen Staatsanleihen (z.B. Bundesanleihen[3]https://www.deutsche-finanzagentur.de/en/private-anleger/bundeswertpapiere/bundesanleihen/, die als sehr sicher gelten gibt es auch die Produktgruppe der ETFs. Letztere sind für den Privatanleger attraktiver, da die erwartete Rendite höher ist. Wenn du also in solche Produkte investierst, kannst du dein persönliches Risiko stark reduzieren.

Kann ich trotz richtiger Produkte Geld an der Börse verlieren?

Wie bereits oben gesagt, ist das Investieren an der Börse mit der Wahl der richtigen Produkte schon sehr sicher. Es wäre unseriös zu behaupten, dass es gar kein Risiko gibt. Es gibt immer Risiken. Die Wahrheit ist aber, dass es einfach extrem unwahrscheinlich ist. Oder anders gesagt: Zu sehr viel Unglück müsste auch noch Pech dazukommen. Verlassen wir ganz kurz den Pfad irrationaler Befürchtungen und schauen uns einmal die historischen Daten an um dies zu überprüfen. Dies können wir uns erstmal anhand eines klassischen MSCI World ETF anschauen. Das ist DER KLASSIKER und beinhaltet im wesentlichen Aktien aus den entwickelten Ländern Nordamerikas & Europas. Wir schauen uns hier die historische Entwicklung des iShares MSCI World ETF an.

MSCI World

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Wie oft ist der genannte ETF denn abgestürzt und komplett wertlos verfallen? Noch nie.

Wir sehen, dass der Kurs des iShares MSCI World ETF seit seiner Auflage am 10. Januar 2012 zwar Schwankungen unterworfen war. Allerdings sehen wir auch, dass der langfristige Trend positiv ist. Wir sehen auch, dass jeder bisherige Ausbruch nach Unten („Crash“) stets wieder aufgefangen wurde im Laufe der Zeit. Insofern kann man sagen, dass eine Anlage in diesen ETF noch nie dazu geführt hätte, dass man sein Geld an der Börse verlieren würde. Ganz im Gegenteil – man hätte sogar ordentlich Gewinne gemacht, wenn man einfach drangeblieben wäre. Wichtige Lektion: Langfristig dran bleiben und halten. Ein weiterer Klassiker, den wir uns anschauen können ist der MSCI All Countries World Index. Dieser umfasst neben den Aktien aus Nordamerika und Europa auch die Aktien aus den sogenannten „Schwellenländern“ bzw. „Emerging Markets“ (aus Asien, Afrika und Südamerika). Darüber hinaus reicht seine Historie etwas weiter zurück.

MSCI All Countries World Index (ACWI)

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Man glaubt es kaum – aber auch dieser ETF ist trotz seiner längeren Historie und der Emerging Markets noch nie komplett abgestürzt und wertlos verfallen. Da zeichnet sich doch wohl nicht langsam ein Muster ab?

Ich möchte das ganze Thema noch weiter mit Daten veranschaulichen. Sehen wir uns dafür im Folgenden die Entwicklung des legendären SPDR S&P 500 ETFs an. Dies ist einer der ersten ETFs überhaupt. Er bietet uns daher eine sehr lange Historie an, die bis zum Auflagedatum am 22. Januar 1993 zurückreicht.

S&P 500

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Wir sehen zwar hier die Auswirkungen der Dotcomkrise (2000), der globalen Finanzkrise (2008/2009) oder die Auswirkungen der Coronapandemie (2020). Doch alle diese Finanzkrisen wurden früher oder später „wett“ gemacht. Und nicht nur das. Solche „Gelegenheiten“ haben schlauen Investoren immer ideale Möglichkeiten gegeben den ETF „günstig“ nachzukaufen. Manche gehen also zum Sommerschlussverkauf, andere schlagen günstig bei ETFs zu und profitieren später davon. Wir können uns das ganze etwas genauer anschauen indem wir die maximalen Verluste herauzaubern und darstellen. Bitte bedenke jedoch, dass:

  • Es sich hier um die absoluten historischen Super-GAUs handelt, die jemals eingetreten sind. Also sehr seltene Ereignisse.
  • Und diese Verluste wären auch nur dann eingetreten, wenn man als Investor die Nerven verloren und den Verlust durch einen Verkauf der ETFs realisiert hätte. Insofern nochmal der Hinweis: Langfristig Buy&Hold ist wichtig.
  • Langfristig wurden bisher alle Verluste wieder mehr als rausgeholt.
  • Von den Abstürzen einzelner Aktien möchten wir hier garnicht erst anfangen.

Die größten historischen Verluste

iShares MSCI World ETFiShares MSCI ACWI ETFSPDR S&P 500 ETF
Größter Tagesverlust*-4,91% am 2. Juli 2013-13,73% am 3. April 2008-8,99% am 9. Oktober 2008
Größter Wochenverlust*-20,32% zwischen 5. und 12. März 2020-21,26% zwischen 2. und 9. Oktober 2008-21,58% zwischen 3. und 10. Oktober 2008
Größter Monatsverlust*-32,23% zwischen 20. Februar und 20. März 2020-34,21% zwischen 27. September und 27. Oktober 2008-31,79% zwischen 20. Februar und 20. März 2020
Größer Jahresverlust*-23,77% zwischen 23. März 2020 und 23. März 2020-52,54% zwischen 31. März 2008 und 31. März 2009-47,89% zwischen 9. März 2008 und 9. März 2009
*approximiert.

Wir sehen, dass es noch nie zu einem „Totalverlust“ gekommen ist. Die größten historischen Verluste sind zu Zeiten der Finanzkrise (2008/2009) oder der weltweiten Corona-Pandemie (2020) entstanden. Doch auch hier sei nochmal gesagt: Verluste entstehen nur, wenn man die Nerven verliert und verkauft. Es ist wichtig als Investor langfristig zu denken und sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Fazit

Abschließend können wir die Frage „Kann ich mein ganzes Geld an der Börse verlieren?“ mit Nein beantworten. Insbesondere die Investition in ETFs hat sich in der Vergangenheit als sehr robust erwiesen. Zugleich haben wir gesehen, dass früher oder später jeder noch so große Verlust mehr als aufgefangen wurde. Und: Langfristige Anleger haben mit ETFs massive Gewinne aufgebaut.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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