Ausschüttend oder Thesaurierend bei ETFs?

Ausschüttend oder Thesaurierend bei ETFs?

In dem Beitrag zur ETF-Auswahl habe ich bereits erklärt auf welche wichtigen Eigenschaften es bei der Wahl eines ETFs ankommt. In dem vorliegenden Beitrag schauen wir uns die Ausschüttungsart eines ETFs nochmal etwas mehr im Detail an. Nach dem Lesen dieses Beitrags verstehst du hoffentlich noch besser was es konkret für dich bedeutet wenn ein ETF ausschüttend oder thesaurierend ist.

Welche Ausschüttungsarten gibt es bei ETFs?

Bei ETFs gibt es im Wesentlichen zwei Ausschüttungsarten. Dabei geht es um die Frage wie ein ETF mit entstehenden Erträgen und Dividenden umgeht. Die eine Ausschüttungsart heißt „ausschüttend“ bzw. „distributing“ auf Englisch. Die Andere heißt „thesaurierend“ bzw. „accumulating“. Was diese zugegeben etwas sperrigen Begriffe genau bedeuten erfährst du im Nachfolgenden.

Was bedeutet Ausschüttend / Distributing?

Ein ETF mit dieser Eigenschaft schüttet bzw. zahlt aufkommende Erträge direkt an den Anleger aus. Im Laufe eines Jahres kommt es bei den im ETF enthaltenen Unternehmen z.B. zu Dividendenzahlungen. Die Dividenden sind für die Anteilsinhaber, d.h. die Besitzer der jeweiligen Unternehmensaktie gedacht und werden an diese ausgezahlt. Die Ausschüttung findet zu definierten Zeitpunkten im Jahr statt. Das kann monatlich, quartärlich, halbjährlich oder jährlich stattfinden. Die Dividendenbuchungen werden von deiner Depotbank ausgeführt. Sie landen somit direkt auf deinem Konto. Der Anteilsinhaber wird dadurch unter anderem für seine Treue und seinen Glauben an das Unternehmen „belohnt“ werden. Für einen Anleger ist das eine passive Einkommensquelle. Aus Sicht des Unternehmens können so neue Investoren angelockt werden.

Bei den im ETF enthaltenen Unternehmen, die eine Dividende an Anleger zahlen findet jedoch ein Abfluss von Finanzmitteln statt. Dividenden sind nichts anderes als liquide Geldmittel, die das Unternehmen verlassen. Sobald die Auszahlung stattfindet sinkt entsprechend der Unternehmenswert. Klingt ganz logisch oder? Doch was bedeutet es für dich als Anleger? Der Abfluss von Finanzmitteln wirkt sich natürlich negativ auf den Aktienkurs des Unternehmens aus. Und damit auch direkt auf den Marktwert deines ETFs in dem es enthalten ist. Und das ist nicht zielführend für uns.

Was bedeutet Thesaurierend / Accumulating?

Hierbei handelt es sich auch um eine Form der Ausschüttung. Hat ein ETF diese Eigenschaft werden Erträge z.B. in Form von Dividenden nicht an den Anleger ausgezahlt. Stattdessen werden sie direkt wieder in den ETF reinvestiert. Das bedeutet, dass diese Geldmittel direkt wieder in den ETF zurückfließen und darin entsprechend angelegt werden. Durch diese Reinvestition steigt wiederum der Marktwert des ETFs. Man hat zwar hierdurch keine passive Einkommensquelle wie im obigen Beispiel. Allerdings wird man als Anleger durch einen höheren Marktwert des ETFs „belohnt“.

Was sind die Vorzüge der jeweiligen Ausschüttungsarten?

Beide Ausschüttungsarten haben ihre Vorzüge. Insbesondere kommt es auch auf deine persönliche Gesamtsituation an. Darüber hinaus gibt es auch steuerliche Aspekte, die du beachten solltest. Im Folgenden gehen wir näher darauf ein.

Vorteile eines ausschüttenden ETFs

Hier liegt der klare Vorteil darin, dass du durch die regelmäßigen Dividendenzahlungen eine passive Einkommensquelle hast. Mit den Dividendenzahlungen kannst du dein verfügbares monatliches Einkommen steigern und hast monatlich mehr Geld zur Verfügung. Je nach ETF kann die Dividendenrendite auch ganz ordentlich ausfallen[1]https://www.onvista.de/news/es-koennte-clever-sein-auf-diesen-dividenden-etf-mit-4-05-dividendenrendite-zu-setzen!-415233181. Doch Vorsicht: Sobald du den Freibetrag von 801€ für Einzelpersonen oder 1602€ für gemeinsame veranlagte Personen überschreitest wird die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge fällig[2]https://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/wie-funktioniert-die-abgeltungssteuer.html. Insofern solltest du diesen Aspekt bei ausschüttenden ETFs im Hinterkopf behalten.

Sobald dein Portfolio einen gewissen Gesamtwert erreicht hat, ist es sogar möglich ausschließlich von den Dividendenzahlungen zu leben und gar nicht mehr arbeiten zu müssen. Der Traum von finanzieller Unabhängigkeit ist natürlich für viele unter uns ein erstrebenswerter Zustand. Allerdings ist es in der Regel eine lange Reise bis dahin. Für dieses Ziel muss man über ein entsprechend großes Portfolio verfügen und viel Durchhaltevermögen besitzen. Was dabei noch besser helfen könnte ist tatsächlich ein thesaurierender ETF. Warum? Das schauen wir uns jetzt an.

Vorteile eines thesaurierenden ETFs

Der große Vorteil dieser Form der Ausschüttung liegt ganz klar in der Reinvestition der auflaufenden Erträge. Indem diese Gewinne reinvestiert werden steigt wie oben beschrieben der Wert des ETFs. Durch diese Reinvestition profitierst du vom sogenannten Zinseszinseffekt. Anders gesagt vom „Wachstum auf Wachstum“. Dieser sehr mächtige Effekt unterstützt dich dabei den Wert deines Portfolios noch schneller zu steigern. Und dadurch vielleicht noch schneller den Traum von finanzieller Unabhängigkeit zu erreichen. Ich empfehle dir einmal den Portfolio-Sparrechner aufzurufen und es selbst auszuprobieren. Du wirst sehen, dass der Sparzeitraum und die Wachstumsrate einen exponentiellen Effekt auf die Wertentwicklung deines Portfolios haben können. Du siehst es an dem immer stärkeren „auseinandergehen“ der violetten und schwarzen Linie.

Ein weiterer Vorteil betrifft die Abgeltungs- bzw. Kapitalertragssteuer. Dadurch, dass thesaurierende ETFs keine Dividenden / Erträge auszahlen wird auch keine Abgeltungssteuer im klassischen Sinne fällig. Stattdessen wird zu Jahresbeginn eine sogenannte Vorabpauschale auf Grundlage eines Basiszins der Bundesbank erhoben[3]https://www.fondsclever.de/ratgeber/fonds-news/basiszins-anfang-2021-negativ-vorabpauschale-entfaellt-2022/ und von deiner Depotbank einbehalten. Aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfeldes[4]https://www.bundesbank.de/resource/blob/794132/a5ab6f8b8880b56f7a90c3476ca9f261/mL/2019-04-niedrigzinsumfeld-data.pdf und des damit verbundenen niedrigen Basiszinses ist die Vorabpauschale in den vergangenen Jahren vergleichsweise sehr gering gewesen[5]https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/organisation/agb-und-regelungen/basiszinssatz-607820. Aktuell ist der Basiszins sogar negativ. Das sorgt dafür, dass die Vorabpauschale für thesaurierende ETFs im kommenden Jahr sogar komplett entfällt[6]https://www.fondsprofessionell.de/news/vertrieb/headline/steuer-knaller-fuer-2021-entfaellt-die-vorabpauschale-203658/. Das ist natürlich ein sehr gewichtiger Vorteil, da es zusätzlich den Zinseszinseffekt weiter verstärkt.

Fazit – Ausschüttend oder Thesaurierend?

Du magst dir nun vielleicht denken, dass die Antwort ziemlich klar ist oder? Ja, aber nur fast. Insgesamt würde ich den meisten Privatanlegern alleine aufgrund des Zinseszinseffektes empfehlen in einen thesaurierenden ETF zu investieren. In Verbindung mit einer langfristigen Buy & Hold Strategie und einem ETF-Sparplan bei einem günstigen Broker ist das eine sehr gute Grundlage für den privaten Vermögensaufbau.

Allerdings gibt es auch „Lebenssituationen“ in denen ein ausschüttender ETF sinnvoll sein kann. Zum Beispiel für „ältere Semester“ unter uns, deren Renteneintrittsalter naht oder schon erreicht ist. Das heißt wenn das Portfolio bereits zu einer stattlichen Größte angewachsen ist oder der Sparzeitraum entsprechend begrenzt ist. In diesem Falle kann es durchaus sinnvoll sein die Dividenden als passive Einkommensquelle zu nutzen und die „Früchte“ des Sparens zu „ernten“ und auszukosten.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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