Aktives oder Passives Management?

Aktives oder Passives Management?

Der folgende Beitrag ist wichtig um selbst zu verstehen, warum eine Anlage in ETFs so sinnvoll ist und von so vielen Privatanlegern heutzutage praktiziert wird. In diesem Beitrag widmen wir uns einem relativ „heiklen“ Thema in der Finanzwelt. Aktives oder passives Management? Im Bereich der Investmentfonds gibt es kaum eine andere Fragestellung, die sowohl privat als auch in der Wirtschaftswissenschaft so hitzig diskutiert wird. So hitzig, dass es gefühlt fast schon religiöse Ausmaße anzunehmen droht. Ein Beleg dafür sind die unzähligen Artikel und Meinungen zu diesem Thema. Einige davon schauen wir uns hier etwas genauer anschauen.

Was bedeutet denn aktives oder passives Management überhaupt?

Beginnen wir erst mit etwas Theorie. Sorry es muss sein! Ich mache es aber kurz und schmerzlos. Versprochen. Allerdings gehe ich hierbei davon aus, dass du die Beiträge zu „Was ist ein ETF?“ und den „Welche Kosten entstehen bei einer Investition in ETFs?“ kennst. Im Bereich der privaten Geldanlage in (Investment-)Fonds gibt es im wesentlichen zwei verschiedene Ansätze. Zum Einen gibt es das aktive Management. Und zum anderen gibt es das passive Management. Für dich als Privatanleger ist es wichtig die Unterschiede und die Implikationen zu kennen. Was das konkret bedeutet erfahren wir im Nachfolgenden.

Aktives Management

Beim aktiven Management geht es im Kern darum: Als Privatanleger oder Fondsmanager wählst du selbst (=aktiv) die Anlageklasse (=Assetklasse) sowie den konkreten Vermögensgegenstand (=Asset) und dessen Gewichtung um darin zu investieren. Die Auswahl der Assetklasse (z.B. Aktien, Immobilien oder Rohstoffe) wird im Fachjargon Asset Allocation genannt. Die Auswahl eines konkreten Assets (z.B. eine Tesla-Aktie oder Gold als Rohstoff) wird Security Selection genannt. Oder im Falle von Aktien auch „Stock Picking“. Die Gewichtung dieses Assets in deinem Portfolio oder in einem Fonds wird Weighting genannt. Darüber hinaus entscheidet man im aktiven Management selbst wann die „richtige Zeit“ ist ein Asset zu kaufen oder wieder zu verkaufen. Dieses Vorgehen wird Market Timing genannt. Was sich vielleicht etwas kompliziert anhört ist im Grunde ganz simpel: Der Privatanleger oder der Fondsmanager entscheidet selbst was, wieviel und wann gekauft oder verkauft wird. Das Management und die Verwaltung des Portfolios oder Fonds wird also aktiv unternommen.

Varianten des aktiven Managements

Der aktive Ansatz besteht also darin die Geldanlage komplett in die eigenen Hände zu nehmen bzw. nehmen zu lassen. Man betreibt entweder selbst aktives Management. Oder man sucht sich einen Fondsmanager, der das für einen erledigt. Es wird dir vielleicht nicht sofort bewusst: Aber wenn du dich dazu entscheidest z.B. eine Tesla-Aktie und eine Amazon-Aktie zu kaufen, dann betreibst du aktives Management. Weil du selbst entscheidest: Was, Wieviel und Wann. Analog: Wenn du nicht selbst in Aktien anlegst sondern in einen aktiv gemanagten Investmentfonds investierst, dann ist das auch eine Form des aktiven Managements. Weil dann der jeweilige Fondsmanager entscheidet was, wieviel und wann investiert wird.

Glaubensgrundsätze des aktiven Managements

Der vermeintliche Vorteil des aktiven Managements besteht darin, dass man als Privatanleger oder Fondsmanager glaubt den „Markt schlagen“ zu können. Im Fachjargon auch bekannt als „ein Alpha oder eine Überrendite zu generieren“. Der Markt, die Benchmark oder Vergleichsindex können als Synonyme in diesem Kontext gebraucht werden. Beispiele dafür sind z.B. der deutsche DAX, der amerikanische S&P 500 oder der MSCI World. Es geht im Kern darum, dass man durch aktives Investieren besser als der Markt performen möchte. Diese Denkweise beruht auf der Überzeugung, dass man durch eigene Recherche und Analyse (technisch oder fundamental) eines Assets oder Marktes einen Wissensvorsprung zu haben glaubt. Dem unterliegt der Glaube, dass Märkte nicht oder wenig effizient sind und es daher Spielraum für Informationsvorsprünge gibt. Diese möchte man nutzen um mehr Rendite zu erwirtschaften. Oder man glaubt schlicht und ergreifend den „richtigen Riecher“ zu haben.

Fallen dir gerade spontan Personen aus deinem Umfeld ein? Das wäre nicht weiter verwunderlich. Viele Privatanleger in meinem persönlichen Umfeld glauben das tatsächlich.

Passives Management

Bei dem passiven Management geht es wie der Name schon sagt deutlich passiver zu. Doch was genau bedeutet das? Was ist der Unterschied? Im Gegensatz zum aktiven Management wird hierbei nicht versucht durch eigene Asset Allocation, Security Selection, Weighting und Market Timing den Markt zu schlagen. Stattdessen wird der Markt bzw. ein Marktindex einfach passiv abgebildet bzw. nachgeahmt. Das erfolgt üblicherweise indem man in ein entsprechendes Finanzprodukt investiert. Und hier kommen ETFs ins Spiel. Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis, dass ein ETF ein Indexfonds ist und eine passive Anlageform darstellt.

Wie man mit einem ETF den Markt passiv nachbildet

Der ETF ist ein Investmentfonds der einen ausgewählten Index wie z.B. den MSCI World passiv abbildet. Das passiert indem der Fondsmanager des ETFs die im Vergleichsindex enthaltenen Assets und deren Gewichtung nachkauft. Durch diesen Ansatz kopierst du also einfach gesagt nur den Index. Da sich der Vergleichsindex und dessen Zusammensetzung und Gewichtung über die Zeit verändert, muss regelmäßig ein Rebalancing stattfinden um den Tracking-Error klein zu halten. Dabei wird der ETF und seine Zusammensetzung an den entsprechenden Vergleichsindex angepasst.

Mit Passivität zum Erfolg

Bei dem passiven Ansatz wird also nicht selbst entschieden in was, wieviel und wann genau investiert wird. Stattdessen wählst du über einen bestimmten ETF einen Index aus, der das passiv macht. Natürlich stellt die Wahl eines konkreten ETF wiederum auch eine Art des „aktiven Managements“ dar. Aber abgesehen von der ETF-Auswahl war es auch schon. Den „Rest“ übernimmt die Fondsgesellschaft bzw. der Fondsmanager. Die Idee hinter dem passiven Investmentansatz ist, dass man möglichst an der Marktentwicklung partizipieren möchte. Außerdem verzichtet man dadurch auf die aufwändige aktive Suche nach den richtigen Assets und dem richtigen Timing. Insofern werden die zusätzlichen Kosten für eine aktive Suche nicht in Kauf genommen. Passive Anleger sind also eher davon überzeugt, dass der Markt effizient ist und man ihn nicht schlagen kann. Ob das stimmt, schauen wir uns anhand von empirischen Studien an.

Empirische Studien zum aktiven und passiven Management

Wie zu Beginn des Beitrags geschrieben gibt es hitzige Debatten darüber ob aktives oder passives Management besser abschneidet. Die Befürworter des aktiven Ansatzes argumentieren üblicherweise, dass sie durch eine aufwändige und tiefgehende Analyse einen Wissensvorsprung haben und dadurch eine bessere Rendite generieren als ihr Vergleichsindex. Oder, dass sie einfach den richtigen Riecher haben. Doch spiegelt sich das auch in der jeweiligen Performance der Fonds wieder? Ich persönlich verlasse mich diesbezüglich lieber auf Daten und empirische Studien. Und bei diesen ist die Lage relativ klar wie wir im Nachfolgenden sehen werden.

Kann aktives Management den Markt konsistent schlagen?

Die kurze Antwort lautet: Nein.

Die längere Antwort ist: In dem Artikel zu den Kosten einer Investition in ETFs haben wir gesehen, dass die Investition in aktiv gemanagte Investmentfonds gegenüber ETFs mit signifikant höheren Gesamtkosten verbunden ist. Neben einem Ausgabeaufschlag ist üblicherweise auch eine deutlich höhere Total Expense Ratio (TER) zu entrichten. Die höheren Kosten im Rahmen des aktiven Managements entfallen im Wesentlichen auf die aufwändige Suche, Recherche und das aktive Verwalten des Fonds. Diese Tätigkeiten sind mit Kosten für die Fondsgesellschaft und den Fondsmanager verbunden. Damit ein aktiv gemanagter Fonds den Markt „schlägt“ muss er ein Alpha bzw. eine Überrendite gegenüber dem Markt erwirtschaften um die höheren Kosten zu decken. D.h. wenn der Markt ein jährliches Wachstum von 8% hinlegt, dann muss der aktive Fonds mindestens 8% + Gesamtkosten erwirtschaften um gleich gut zu performen.

Die Frage ist ob aktive gemanagte Investmentfonds das konsistent und kontinuierlich schaffen? Es gibt einige empirische Studien, die genau diese Frage über einen längeren Zeitraum untersucht haben. Im Folgenden findest du eine Übersicht von einigen Untersuchungen.

Eine Übersicht empirischer Studien

  • In einem Bericht von Standard & Poor’s aus dem Jahr 2017 wurde die Überlegenheit von passiven „Index-Anlagestrategien“ gegenüber dem aktiven „Stock Picking“ im U.S.-Markt aufgezeigt. Sie fanden heraus, dass während 2016 zwei Drittel der aktiven Portfoliomanager von „großkapitalisierten“ US-Aktien ihren Vergleichsindex S&P 500 Large Capital Index nicht schlagen konnten. Über einen längeren Zeitraum wurden die Ergebnisse sogar noch deutlicher. Mehr als 90 % der aktiven Manager haben über einen Zeitraum von 15 Jahren schlechter als ihr Vergleichsindex abgeschnitten. Für die internationalen Märkte wurde dies ebenfalls aufgezeigt. Seit 2001 hatten 89% der aktiv gemanagten internationalen Fonds eine schlechtere Performance als ihre Vergleichsindices[1]https://www.wsj.com/articles/index-funds-still-beat-active-portfolio-management-1496701157.
  • In der Studie „Active Versus Passive Investing: Evidence From The 2009-2017 Market“ untersuchten Dale Prondzinski und Mitchell Miller von der Davenport University anhand der Sharpe-Ratio (Überrendite nach Risikoadjustierung) und entsprechender Proxies für aktive und passive Indizes welcher Ansatz mit Blick aus den U.S. Markt besser performt hat. Betrachtet wurden sowohl kleine, mittlere als auch große Unternehmen. Sie fanden heraus, dass aktives Management nicht signifikant besser performt hat als das passive Management über den betrachteten Zeitraum[2]https://articlegateway.com/index.php/JAF/article/view/114/87.
  • In der Studie „Active Versus Passive Investing: An Empirical Study On The US And European Mutual Funds And ETFs“ von Desmond Pace, Jana Hili und Simon Grima wurde über einen 10-jährigen Zeitraum die Performance von aktiven und passiven Investmentfonds in USA und Europa untersucht. Sie zeigen, dass die aktiven Investmentfonds nach Kosten nicht besser performt haben als die passiven Investmentfonds[3] … Continue reading.

Du bist noch nicht ganz überzeugt? Hier noch ein paar weitere Untersuchungen zu dem Thema

  • In dem Paper „An Update on the Performance of Actively Managed ETFs“ zeigt Steven D. Dolvin, dass aktiv verwaltete Investmentfonds auf Basis der risikobereinigten Rendite keine signifikante Outperformance gegenüber passiv verwalteten ETFs erreichen konnten[4]https://www.cfainstitute.org/en/research/cfa-digest/2014/09/an-update-on-the-performance-of-actively-managed-etfs-digest-summary.
  • In dem Paper „Active vs. Passive Portfolio Management“ untersuchte Timothy Greenhill von der Bryant University ob aktive Fonds nach einer Kosten-Nutzen-Betrachtung besser abschnitten als passive Investmentfonds. Er schließt aus seinen Ergebnissen, dass aktives Portfoliomanagement keine kostengünstigere Anlagestrategie ist. Jedoch sagt er auch, dass seine Untersuchung keinen signifikanten Gesamtvorteil für den einen oder den anderen Ansatz zeigte. Für einen Durchschnittsanleger empfiehlt er jedoch das passive Investieren. Als Gründe nennt er die höheren Risiken und Kosten, die mit einer Investition in aktive Investmentfonds verbunden sind[5]https://digitalcommons.bryant.edu/honors_mathematics/17/.

Fazit – Mit passivem Management zum Erfolg

In der vorherigen Übersicht sehen wir, dass das aktive Management insbesondere über einen längeren Zeitraum durch Asset Allocation, Security Selection, Weighting und Market Timing nicht in der Lage ist den Vergleichsindex konsistent zu schlagen. Aus meiner Sicht ist daher die Wahl zwischen aktivem und passivem Management recht klar. Natürlich wird es immer auch aktiv gemanagte Fonds geben, die auch über einen längeren Zeitraum den Markt schlagen. Doch wie heißt es? Ausnahmen bestätigen die Regel. Das ist auch hier so.

Ich möchte hier auch nochmal explizit betonen, dass ich die Investition in einzelne Aktien nicht pauschal ablehne. Es gibt einige Beispiele, in denen die Investition in Einzelaktien auch sinnvoll sein kann. Zum Beispiel wenn man eine Dividendenstrategie fährt und in dividendenstarke Titel wie die Allianz investiert. Man kann sogar durch einzelne Aktien eine Risikodiversifikation erreichen. Es gibt nämlich Einzelunternehmen, die alleine durch ihre Firmenstruktur schon diversifiziert sind. Zum Beispiel Alphabet (Google) oder Berkshire Hathaway.

Für einen sicherheitsorientierten Privatanleger ist es allerdings ein ziemliches „Glücksspiel“ einen aktiven Fonds oder einen Einzeltitel zu finden, der den Markt konsistent schlägt. Und selbst dann hat man keine Sicherheit, dass das auch langfristig so bleibt. Da ist es doch viel erfolgswahrscheinlicher und bequemer auf einen passiv gemanagten ETF mit sinnvoller Anlagestrategie zu setzen. Damit ist man aus meiner Sicht im Rahmen einer langfristigen Buy & Hold Strategie auf der sicheren Seite.

Weitere Tipps und Hinweise

Und noch ein paar praktische Tipps. Es wird immer „Anlageberater“ geben, die dir versuchen das Gegenteil zu erzählen. Sie versuchen dich davon zu überzeugen, dass ausgerechnet ihr Aktivfonds die Ausnahme ist. Sei dir bewusst, dass mit der Vermittlung bestimmter Fondsprodukte auch große Provisionen für den Anlageberater verbunden sind. Überlege dir wie neutral eine Anlageberatung sein kann und welche Motivationen dahinter stehen können. Ich bin grundsätzlich optimistisch, dass die meisten Anlageberater seriös und ehrlich beraten möchten. Aber schwarze Schafe gibt es bekanntlich immer wieder[6]https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geldanlage-dubiose-schiffsfonds-mit-vollen-segeln-in-die-pleite-1.2767642.

Bei Verkaufsprospekten und Performancedaten von aktiven Investmentfonds solltest du dich immer fragen auf welcher Grundlage und über welchen Zeitraum die Performance eines angegeben wird. Durch Tricks lassen sich manchmal Wunder vollbringen. Zum Beispiel durch die Auswahl eines besonders leicht zu schlagenden Vergleichsindex. Das ist so als würde man die „Limbo-Stange“ ganz hoch hängen und das erfolgreiche Unterschreiten als Erfolg bezeichnen. Ein weiterer Trick ist z.B. das gezielte Auswählen geeigneter Vergleichszeiträume. Eine Betrachtung über 5 Jahre kann ein ganz anderes Bild ergeben als die Betrachtung über 1 Jahr. Diese selektive Auswahl kann die wahre Performance eines Fonds besser aussehen lassen als sie ist. Das ist ein weiterer Grund warum man in ETFs investieren sollte. Durch die passive Abbildung eines Indexes ist simpel, effektiv und kostengünstig. Am besten geht das über einen automatisierten ETF-Sparplan. Dafür brauchst du nur den richtigen Broker und es kann losgehen.

Rechtlicher Hinweis

Bitte beachte, dass jede Form der Investition oder Geldanlage mit Chancen und Risiken verbunden ist.

Der vorliegende Beitrag dient lediglich dazu die persönliche Meinung des Autors wiederzugeben. Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Vermögensgegenständen dar. Aussagen in diesem Beitrag können Erwartungen an zukünftige Entwicklungen beinhalten. Diese basieren auf den gegenwärtigen Ansichten und Annahmen des Autors. Sie können daher Abweichungen bezüglich der tatsächlich eintretenden zukünftigen Entwicklungen haben.

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